Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hat ein neuartiges Drohnenabwehrsystem vorgestellt, das mit Hochleistungs-Mikrowellen arbeitet. Die Drohne namens Morfius X-Rotor soll feindliche unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) durch elektromagnetische Pulse außer Gefecht setzen – und das zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher Abwehrsysteme.
Das Problem: Billige Drohnen gegen teure Abwehr
Armeen weltweit stehen vor einem wachsenden Problem: Drohnen sind billig und in großen Stückzahlen verfügbar, während ihre Abwehr teuer und aufwendig ist. Flugabwehrraketen kosten schnell sechsstellige Beträge und ihre Herstellung dauert Monate oder Jahre. Einfache Drohnen hingegen lassen sich im Zweifelsfall beim Elektrofachmarkt kaufen. Die Abwehr muss daher zwei Parameter erfüllen: Sie muss günstig in der Herstellung sein und idealerweise mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen können.
Morfius X: Mikrowellen statt Raketen
Lockheed Martin bewirbt Morfius X als Lösung für genau diese Herausforderung. Das System kann laut Hersteller in einem Einsatz mehr als 50 Drohnen „neutralisieren“. „Morfius hält die Kosten pro Abschuss besonders klein, schützt so Verteidigungsbudgets und stellt unerbittliche Feuerkraft zur Verfügung“, heißt es im Pressetext des Konzerns. Anders als herkömmliche Abfangsysteme, die kinetische Gefechtsköpfe oder teure Lenkwaffen nutzen, setzt Morfius X auf Hochleistungs-Mikrowellen. Die Strahlung zerstört die Bordelektronik gegnerischer UAVs in Sekundenschnelle – die Drohnen fallen buchstäblich vom Himmel.
Wiederverwendbar und flexibel
Das Fluggerät startet vom Boden, fliegt nahe an die feindlichen Drohnen heran, setzt seine Mikrowellensalve ab und kehrt anschließend zur Landung und Wiederverwendung zurück. Das System ist flexibel ausgelegt und benötigt kein eigenes, teures Feuerleitradar an Bord. Es lässt sich in bestehende Luftraumüberwachungs- und C2-Führungssysteme (Command & Control) integrieren.
Erfolgreiche Tests in den USA
Lockheed Martin hat das System eigenen Angaben zufolge jüngst auf Testgeländen in Arizona, Kalifornien und Oklahoma erfolgreich im Flug erprobt. Dabei habe Morfius sowohl seine Fähigkeiten beim Abfangen als auch bei der effektiven Bekämpfung von Zielen gezeigt. Weitere Tests sind für die kommenden Monate angesetzt. Um das System möglichst schnell an Fronteinheiten auszuliefern, treibt das Unternehmen die Produktion von Prototypen – sowohl der Drohnenseite als auch der Mikrowellen-Nutzlast – mit erhöhter Priorität voran.
Hintergrund: Drohnenkrieg in der Ukraine
Die Entwicklung kommt vor dem Hintergrund des anhaltenden Drohnenkriegs in der Ukraine. In Orten wie Posad-Pokrowsk bei Cherson kreisen täglich FPV-Drohnen, die Zerstörung und Tod bringen. Die Erfahrungen aus diesem Konflikt zeigen, dass herkömmliche Luftabwehr oft überfordert ist. Morfius X könnte hier eine kosteneffiziente Alternative bieten.



