Gewaltiger Gewinneinbruch: Porsche zieht Volkswagen in die Krise
Die deutsche Automobilindustrie erlebt derzeit eine der schwersten Krisen seit dem Dieselskandal. Sowohl der Volkswagen-Konzern als auch seine Tochter Porsche verzeichnen dramatische Gewinneinbrüche, die zu umfangreichen Stellenstreichungen führen werden. Die Situation stellt die gesamte Branche vor immense Herausforderungen.
Dramatische Zahlen bei Porsche und VW
Die aktuellen Geschäftszahlen offenbaren ein alarmierendes Bild: Der Nettogewinn des Volkswagen-Konzerns ist im vergangenen Jahr um fast die Hälfte eingebrochen und erreichte lediglich 6,9 Milliarden Euro. Dies stellt das niedrigste Ergebnis seit der Dieselskandal-Krise im Jahr 2016 dar. Noch dramatischer fällt die Bilanz bei Porsche aus: Der Stuttgarter Sportwagenhersteller verzeichnete einen Gewinneinbruch von 98 Prozent und kommt nur noch auf ein operatives Ergebnis von 90 Millionen Euro – nach 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr.
Massiver Stellenabbau angekündigt
Als Reaktion auf die kritische Lage plant der Volkswagen-Konzern umfangreiche Stellenkürzungen. Konzernchef Oliver Blume erklärte in einem Schreiben an die Aktionäre, dass bis 2030 etwa 50.000 Arbeitsplätze im gesamten VW-Konzern wegfallen sollen. Diese Zahl umfasst alle Marken und Standorte innerhalb Deutschlands. Bereits Ende 2024 hatte Volkswagen angekündigt, bei der Kernmarke VW bis 2030 etwa 35.000 Stellen abzubauen. Porsche plant derweil bis zum Jahr 2029 etwa 1.900 Jobs zu streichen.
Expertenanalyse der Krisenursachen
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Schwäbischen Zeitung identifiziert mehrere Faktoren für die aktuelle Krise: „Die größte Herausforderung ist Zuffenhausen“, erklärt der Branchenkenner. Die US-Zölle unter der Trump-Administration machen Porsche ebenso verletzlich wie der verschärfte Preiswettbewerb im Elektroauto-Segment in China, wo Unternehmen wie Xiaomi zunehmend Druck ausüben. „Und in China belasten zusätzlich die hohen Importsteuern für hochmotorige Luxus-Verbrenner“, ergänzt der Direktor des „CAR – Center Automotive Research“ in Bochum.
Prognosen für die kommenden Jahre
Dudenhöffer prognostiziert weiterhin schwierige Zeiten für die Automobilbranche: „Für alle Autobauer war 2025 ein schwieriges Jahr mit Donald Trump und seinen Zöllen“. Neben den politischen Unsicherheiten habe auch die „verlorene Illusion, schneller ins Elektroauto zu gehen“ zu erheblichen Wertberichtigungen geführt. „Auch 2026 werden die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, warnt der Experte. „Zölle und Unberechenbarkeit bleiben, China läuft langsamer und die Zündeleien des US-Präsidenten haben Feuer entfacht, die Wirtschaftswachstum kosten.“
Unterschiedliche Perspektiven für VW und Porsche
Während sich die Marke Volkswagen laut Dudenhöffer stabilisiere und VW-China-Chef Ralf Brandstätter mit den neuen, in China entwickelten Volkswagen-Modellen einen Turnaround schaffen könnte, sieht die Prognose für Porsche deutlich düsterer aus. „2026 werden im Mittleren Osten mit den Trump-Kriegen weniger Luxusautos verkauft werden“, prognostiziert der Experte. Zudem werde der chinesische Tech-Konzern Xiaomi mit seinen Sportwagen 2027 auch in Europa in den Markt gehen – in die bis dato „feste Burg für Porsche“.
Die deutsche Automobilindustrie steht somit vor einer tiefgreifenden Transformation, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch strukturelle Veränderungen mit sich bringen wird. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die traditionellen Hersteller ihre Marktpositionen gegen neue Wettbewerber aus dem Technologiebereich verteidigen können.



