Porsche in der Krise: Gewinneinbruch, China-Flaute und strategische Kehrtwende belasten Sportwagenbauer
Porsche-Krise: Gewinne brechen ein, China-Geschäft schrumpft

Porsche im Krisenmodus: Vom Vorzeigeunternehmen zum Sorgenkind der Automobilbranche

Das aufsteigende Pferd im Porsche-Wappen symbolisiert traditionell Stärke und Dynamik. Doch aktuell gleicht der Sportwagenbauer aus Stuttgart-Zuffenhausen eher einem lahmenden Ross. Wo früher Rekordgewinne erzielt wurden, herrscht heute Krisenstimmung. Die einstige Ertragsperle des Volkswagen-Konzerns hat sich zu einer erheblichen Belastung entwickelt.

Dramatischer Gewinneinbruch und rückläufiger Umsatz

Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der operative Gewinn von Porsche ist im vergangenen Jahr um 92,7 Prozent auf lediglich 413 Millionen Euro eingebrochen. Betrachtet man ausschließlich das Kerngeschäft mit Automobilen, ohne Finanzdienstleistungen, belief sich der operative Gewinn sogar nur auf magere 90 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2024 waren es noch rund 5,3 Milliarden Euro gewesen.

Parallel dazu sank der Gesamtumsatz um fast ein Zehntel auf etwa 36,3 Milliarden Euro. Diese dramatische Entwicklung stellt den Sportwagenhersteller vor immense Herausforderungen und zwingt das Management zu umfassenden Restrukturierungsmaßnahmen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Strategische Kehrtwende mit Milliardenkosten

Eine der wesentlichen Belastungsfaktoren war die strategische Neuausrichtung, die der ehemalige Porsche-Chef Oliver Blume vor gut einem Jahr initiiert hatte. Die ursprünglich ehrgeizigen Elektroauto-Ziele erwiesen sich als nicht erreichbar, da sich die E-Mobilität in vielen Märkten deutlich langsamer entwickelte als prognostiziert.

Stattdessen setzt Porsche nun auf ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt. Für diesen strategischen Schwenk rechnete Finanzvorstand Jochen Breckner mit Sonderkosten von bis zu 3,1 Milliarden Euro für das gesamte Geschäftsjahr. Hinzu kommen US-Zölle in Höhe von etwa 0,7 Milliarden Euro.

China-Geschäft im freien Fall

Besonders dramatisch entwickelt sich die Situation auf dem chinesischen Markt, einst eine der wichtigsten Absatzregionen für den Luxusautomobilhersteller. Die Verkaufszahlen in der Volksrepublik sind im vierten Jahr in Folge gesunken. 2025 lieferte Porsche nur noch etwa 41.900 Fahrzeuge nach China aus – ein Rückgang von gut einem Viertel gegenüber dem Vorjahr.

Zum Vergleich: Im Jahr 2021 waren es noch fast 95.700 Sport- und Geländewagen gewesen. Gründe für diesen Einbruch sind die starke Konkurrenz durch heimische Hersteller mit aggressiven Rabattstrategien sowie die Kaufzurückhaltung wohlhabender Chinesen infolge der Immobilienkrise.

Globaler Absatzrückgang und Personalanpassungen

Weltweit verkaufte Porsche im vergangenen Jahr etwa 279.400 Fahrzeuge – ein Zehntel weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Diese Entwicklung zwingt den Konzern zu umfassenden Sparmaßnahmen.

Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Zudem laufen die Verträge von etwa 2.000 befristeten Angestellten aus. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verhandelt das Porsche-Management bereits seit Herbst mit dem Betriebsrat über ein weiteres Sparprogramm, das zusätzliche Stellenstreichungen und Maßnahmen zur Jobsicherung umfassen dürfte.

Neue Führung und vorsichtiger Optimismus

Die Jahresbilanz für 2025 präsentieren Finanzvorstand Jochen Breckner und der neue Porsche-Chef Michael Leiters. Der Manager, der zuvor bei Ferrari und McLaren tätig war, hat seine Position zu Jahresbeginn übernommen. Für die aktuellen Zahlen trägt er zwar keine direkte Verantwortung, muss aber in den kommenden Monaten Wege finden, Porsche wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Finanzchef Breckner zeigte sich trotz der schwierigen Lage zuversichtlich: „Wir nehmen bewusst vorübergehend schwächere Finanzkennzahlen in Kauf, um langfristig Porsches Resilienz und Profitabilität zu stärken.“ Er geht davon aus, dass sich die Situation ab 2026 spürbar verbessern wird. Auch VW-Konzernchef Oliver Blume erwartet für dieses Jahr einen Aufwärtstrend bei der Sportwagentochter.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob es dem neuen Management gelingt, das traditionsreiche Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu führen und das Vertrauen von Aktionären und Kunden zurückzugewinnen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration