Porsche in der Krise: Gewinneinbruch und strategische Kehrtwende belasten Sportwagenbauer
Porsche-Krise: Gewinne brechen ein, Strategiewechsel belastet

Porsche in der Krise: Das lahme Ross aus Zuffenhausen

Das stolze Pferd im Porsche-Wappen symbolisiert traditionell Kraft und Agilität, doch aktuell ist davon wenig zu spüren. Der einstige Vorzeigekonzern aus Stuttgart-Zuffenhausen steckt in einer tiefen Krise, die sich in dramatischen Zahlen manifestiert. Während Porsche früher als zuverlässige Gewinnmaschine für den Volkswagen-Konzern galt, hat sich die Situation grundlegend gewandelt.

Dramatischer Gewinneinbruch belastet Volkswagen

Die aktuellen Geschäftszahlen für das Jahr 2025 offenbaren ein erschütterndes Bild: Der operative Gewinn ist um 92,7 Prozent auf lediglich 413 Millionen Euro eingebrochen. Im reinen Autogeschäft, ohne Finanzdienstleistungen betrachtet, liegt der operative Gewinn sogar bei nur 90 Millionen Euro – ein dramatischer Rückgang im Vergleich zu den rund 5,3 Milliarden Euro im Vorjahr 2024. Der Gesamtumsatz sank um fast ein Zehntel auf etwa 36,3 Milliarden Euro.

Für den Volkswagen-Konzern bedeutet diese Entwicklung eine enorme Belastung. Die einstige Ertragsperle Porsche hat sich zu einem Problemfall entwickelt, der dringend einer strategischen Neuausrichtung bedarf. Die vollständigen Geschäftszahlen inklusive Nachsteuergewinn und Ausblick auf das laufende Jahr werden mit Spannung erwartet.

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Strategische Kehrtwende verschlingt Milliarden

Eine der größten Belastungen für Porsche war die strategische Wende, die Ex-Chef Oliver Blume vor gut einem Jahr initiierte. Als sich abzeichnete, dass die ambitionierten Elektroauto-Ziele nicht erreichbar waren, zog Blume die Notbremse. Die Begründung: Die E-Mobilität entwickelt sich in vielen Märkten deutlich langsamer als ursprünglich prognostiziert.

Im Jahr 2025 waren lediglich gut 22 Prozent der verkauften Porsche-Modelle reine Elektrofahrzeuge. Angesichts der Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse setzt Porsche nun stattdessen auf ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt. Diese strategische Kehrtwende verursacht erhebliche Kosten: Finanzchef Jochen Breckner rechnete im Herbst mit Sonderkosten von bis zu 3,1 Milliarden Euro für das gesamte Geschäftsjahr.

China-Absatz bricht dramatisch ein

Ein weiteres gravierendes Problem ist der Einbruch des China-Geschäfts. Dort ist das Marktsegment für teure Luxusprodukte innerhalb kurzer Zeit um mehr als 80 Prozent eingebrochen. Gründe dafür sind die starke Konkurrenz durch heimische Hersteller mit aggressiven Rabattstrategien sowie die Kaufzurückhaltung wohlhabender Chinesen infolge der Immobilienkrise.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2025 verkaufte Porsche lediglich gut 41.900 Fahrzeuge in China – ein Rückgang um mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Es handelt sich bereits um den vierten Rückgang in Folge. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 hatte Porsche noch fast 95.700 Sport- und Geländewagen in der Volksrepublik ausgeliefert. Porsche rechnet nicht mit einer baldigen Erholung, sondern erwartet weiter sinkende Verkaufszahlen in China.

Neue Führung unter Druck

Am Mittwoch präsentierten Finanzvorstand Jochen Breckner und der neue Porsche-Chef Michael Leiters die Jahreszahlen für 2025. Leiters, der früher bei Ferrari und McLaren arbeitete, hat seinen Job zu Jahresbeginn angetreten und steht vor enormen Herausforderungen. Zwar zeichnet er für die aktuellen Zahlen nicht verantwortlich, muss aber in den kommenden Monaten Wege finden, Porsche wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.

VW-Konzernchef Oliver Blume äußerte bei der eigenen Bilanzvorlage am Dienstag die Erwartung eines Aufwärtstrends bei der Sportwagentochter in diesem Jahr. Finanzchef Breckner hatte bereits im Herbst betont: „Wir nehmen bewusst vorübergehend schwächere Finanzkennzahlen in Kauf, um langfristig Porsches Resilienz und Profitabilität zu stärken.“

Weitere Sparmaßnahmen notwendig

Angesichts der schwierigen Lage muss Porsche den Rotstift ansetzen und seine Strukturen verkleinern. Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Zudem laufen die Verträge von etwa 2.000 befristeten Angestellten aus. Doch diese Maßnahmen dürften in der aktuellen Situation nicht ausreichen.

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Daher verhandelt das Porsche-Management bereits seit Herbst mit dem Betriebsrat über ein weiteres Sparprogramm. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur stehen dabei neben zusätzlichen Stellenstreichungen auch Fragen der Jobsicherung zur Debatte. Über die Ergebnisse der Gespräche wollen Unternehmen und Betriebsrat nach Abschluss der Verhandlungen informieren.

Die US-Zölle unter Präsident Donald Trump belasten Porsche zusätzlich mit Kosten von rund 0,7 Milliarden Euro. Insgesamt verkaufte die VW-Tochter im vergangenen Jahr gut 279.400 Fahrzeuge – ein Zehntel weniger als im Vorjahr und der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Der Weg zurück zur alten Stärke wird für Porsche ein langwieriger und kostspieliger Prozess.