Der Abstieg von Preußen Münster aus der 2. Liga wirft ein Schlaglicht auf die Ursachen des sportlichen Niedergangs. Eine Analyse der Saison zeigt: Zu viel Risiko, zu wenig Qualität – das war die bittere Bilanz.
Neuzugänge enttäuschen großteils
Von 13 Profis, die vor der Saison oder im Winter für insgesamt über zwei Millionen Euro Ablöse verpflichtet wurden, konnte nur einer die Erwartungen erfüllen: Jannis Heuer. Der Innenverteidiger, der zuvor in Kaiserslautern aussortiert worden war, zeigte solide Leistungen, auch wenn er gelegentlich Aussetzer hatte. Mit einer Startelf-Quote von 85 Prozent, Einsatzminuten von 81 Prozent und Torbeteiligungen von acht Prozent führt er das Feld der Neuzugänge an.
Die anderen Neuen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Oliver Batista-Meier (79 Prozent Startelf, 73 Prozent Einsatzminuten, 26 Prozent Torbeteiligungen), Paul Jaeckel (79/79/5), Imad Rondic (57/63/27), Marvin Schulz (55/43/11), Zidan Sertdemir (38/41/3), Marcel Benger (33/34/0), Lars Lokotsch (27/36/11), Shin Yamada (21/21/20), Oscar Vilhelmsson (21/20/5), Marco Meyerhöfer (18/22/0), Tobias Raschl (3/7/2) und Antonio Tikvic (0/0/0) – sie alle konnten nicht überzeugen.
Verletzungspech als zusätzlicher Faktor
Ein weiterer Grund für den Absturz war das enorme Verletzungspech. Antonio Tikvic erlitt im ersten Spiel beim Karlsruher SC einen Kreuzbandriss, nur acht Minuten nach seiner Einwechslung. Auch Simon Scherder und Malik Batmaz zogen sich Kreuzbandrisse zu. Mittelfeldspieler Marvin Schulz fehlte 93 Tage wegen eines Außenbandrisses und Oberschenkelproblemen. Besonders schwer wog der Ausfall von Oscar Vilhelmsson, der 148 Tage wegen ständiger Muskelbeschwerden pausieren musste.
Sport-Geschäftsführer Ole Kittner räumte ein: „Ohne diese Vorgeschichte hätten wir bei Oscar ohnehin keine Chance gehabt. Unsere Hoffnung war, dass sich seine Gesundheit bei uns stabilisieren würde.“ Ein hohes Risiko, das sich nicht auszahlte. Auch Offensivspieler Etienne Amenyido fiel mit 73 Fehltagen aus.
Trainerproblem: Alexander Ende scheitert
Die größte Hoffnung lag auf Trainer Alexander Ende, der zuvor beim SC Verl mit seinem laufintensiven Rautensystem aufgefallen war. Er durfte seine Wunschspieler Benger, Batista-Meier und Lokotsch mitbringen, scheiterte jedoch mit seiner Idee vom modernen Fußball. In der 2. Liga war die Qualität der Gegner deutlich höher als in der 3. Liga. Nach einer ordentlichen Hinrunde mit 20 Punkten wurde das System nach der Winterpause entschlüsselt. Ende, dem ein Plan B fehlte, musste nach dem 0:6-Debakel in Dresden gehen.
Nachfolger Alois Schwartz blieb ebenfalls glücklos und gewann in sechs Versuchen kein Spiel. Die Bilanz des Tabellenletzten eine Woche vor dem Saisonfinale in Elversberg: 15 Niederlagen, 12 Unentschieden, nur sechs Siege – davon nur einer in den letzten 19 Partien.
Neuanfang in der 3. Liga
Nach dem Durchmarsch von der Regionalliga bis in die 2. Liga ist der Preußenadler unsanft auf dem Boden der Realität gelandet. Für den bevorstehenden Neuanfang in der 3. Liga, der mit einem großen Umbruch verbunden sein wird, brauchen Kittner und Sportdirektor Jan Uphues ein glücklicheres Händchen als im vergangenen Sommer.



