Kursverfall bei Rheinmetall: Vom Höhenflug zur Talfahrt
Der einstige Börsenliebling Rheinmetall erlebt einen dramatischen Kursverfall. Nachdem die Hoffnungen auf einen milliardenschweren Fregattenauftrag zerschlagen wurden, fiel der Aktienkurs des Rüstungskonzerns am Mittwoch zeitweise um rund 20 Prozent. Derzeit notiert die Aktie bei etwa 950 Euro – weniger als die Hälfte des Rekordhochs von 2008 Euro, das Anfang Oktober 2023 erreicht wurde.
Geplatzter Fregattenauftrag als Auslöser
Das Bundesverteidigungsministerium teilte mit, dass der Bau von sechs Fregatten nicht weiterverfolgt werde. Ursprünglich war das niederländische Unternehmen Damen mit dem Projekt betraut, doch die Verhandlungen stockten. Rheinmetall, das erst kürzlich durch die Übernahme der Lürssen-Marinesparte in den Schiffsbau eingestiegen war, hatte sich für den Auftrag ins Spiel gebracht, ging nun aber leer aus. Stattdessen will die Bundesregierung andere Fregatten beim U-Boot-Bauer TKMS beschaffen, dessen Aktienkurs daraufhin anzog.
Rheinmetalls breites Portfolio
Rheinmetall ist einer der führenden Rüstungskonzerne Europas und produziert Panzer, Artillerie, Flugabwehrgeschütze, Munition, Militärlastwagen und weitere Rüstungsgüter. Zudem setzt das Unternehmen verstärkt auf Drohnen zur Unterstützung von Kampfverbänden und ist kürzlich in das Geschäft mit Weltraumsatelliten eingestiegen, um präzise Aufklärungsbilder zu liefern. Anfang März 2024 übernahm Rheinmetall die Lürssen-Marinesparte und ist seitdem auch im Schiffsbau aktiv. Auf der Pariser Waffenmesse Eurosatory stellte das Unternehmen kürzlich ein 8,50 Meter langes Drohnenboot seiner neuen Marinetochter aus.
Analysten sehen Kurspotenzial trotz Talfahrt
Trotz des drastischen Kursrückgangs sehen Finanzanalysten erhebliches Potenzial. Das Bankhaus Metzler etwa hat ein Kursziel von 2180 Euro für die Rheinmetall-Aktie ausgegeben – mehr als doppelt so viel wie der aktuelle Kurs und sogar höher als das bisherige Allzeithoch. Kritiker fragen sich jedoch, ob sich der Konzern mit seinen prallvollen Auftragsbüchern in diversen Bereichen übernommen hat. Die Verwaltungszentrale von Rheinmetall befindet sich in Düsseldorf, das größte Werk im niedersächsischen Unterlüß.
Der Aktienkurs von Rheinmetall hatte sich seit dem Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 rasant entwickelt. Vor dem Krieg war ein Anteilsschein rund 100 Euro wert, im Herbst 2023 dann rund 2000 Euro – eine Verzwanzigfachung. Seitdem hat sich der Kurs jedoch mehr als halbiert. Die Nachricht vom geplatzten Fregattenauftrag traf das Unternehmen in einer ohnehin angespannten Phase, in der der Kurs bereits schrittweise nach unten tendierte.



