Der Essener Energiekonzern RWE übernimmt die Mehrheit am deutschen Hochspannungsnetzbetreiber Amprion. Für 3,6 Milliarden Euro stockt der Dax-Konzern seinen Anteil an dem Unternehmen auf 55 Prozent auf. Das Handelsblatt hatte exklusiv über die Pläne berichtet.
Dritte Säule für RWE
Bislang hielt RWE indirekt 20 Prozent an Amprion. Nun übernimmt der Konzern zusätzliche Anteile an M31, dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter des Netzbetreibers. Dadurch kommt RWE rechnerisch auf 55 Prozent. „Das regulierte Netzgeschäft wird zur dritten Säule von RWE neben den Investitionen in erneuerbare und flexible Erzeugung“, sagte Vorstandschef Markus Krebber in einer Videokonferenz mit Journalisten. RWE stelle sich robuster auf, Amprion erhalte mehr Sicherheit, um die hohen Milliardensummen für Ausbau und Modernisierung stemmen zu können.
Investitionen in Milliardenhöhe
RWE will in den Ausbau des 11.000 Kilometer langen Übertragungsnetzes von Amprion bis 2031 rund 6,5 Milliarden Euro investieren – vier Milliarden mehr als bisher geplant. Amprion-Chef Christoph Müller sieht in der Aufstockung „ein Zeichen des Vertrauens in unsere Strategie“. RWE könne helfen, die anstehenden Milliardeninvestitionen zu finanzieren. Es sei daher „eine gute Nachricht für das Gelingen der Energiewende“. Amprion hat sich bis 2030 Investitionen von 42 Milliarden Euro vorgenommen, um das Netz für klimaneutrale Energiequellen fit zu machen.
Finanzierung durch Aktienverkauf
RWE finanzierte den Einstieg durch den Verkauf von 74,3 Millionen Aktien, die zur Hälfte aus einer Kapitalerhöhung und zur Hälfte aus dem Eigenbestand stammen. Sie wurden innerhalb von drei Stunden für vier Milliarden Euro – 54 Euro je Aktie – bei institutionellen Investoren platziert. Der Preis lag nur drei Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs vom Montag. Der norwegische Staatsfonds und der Staatsfonds von Katar (QIA) verpflichteten sich, zusammen Aktien für eine Milliarde Euro zu kaufen. QIA ist mit neun Prozent bereits der größte Einzelaktionär von RWE.
Neue Gesellschafterstruktur bei Amprion
Das Konsortium M31 hielt bisher 74,9 Prozent an Amprion, verteilt auf viele kleinere Investoren. Größter war die Ärztliche Beteiligungsgesellschaft AEBG, hinter der fünf Pensionskassen der Ärzteschaft stehen. Künftig dürfte RWE der größte Anteilseigner sein. Weitere M31-Mitglieder sind die Versicherungskammer Bayern, Swiss Life und die Meag, der Vermögensverwalter der Münchener Rück. RWE übernahm die Anteile von fünf M31-Gesellschaftern. Krebber sagte, RWE sei im Gespräch mit weiteren Gesellschaftern und könne noch aufstocken. Die restlichen 25,1 Prozent von Amprion liegen bei RWE Alkaios, einem Joint Venture von RWE mit dem Finanzinvestor Apollo.
Gewinnerwartungen steigen
RWE verspricht sich von der Aufstockung mehr Gewinn. Krebber hob die Erwartung für 2031 um 15 Cent auf 4,55 Euro je Aktie an. Das Übertragungsnetz-Geschäft soll 2031 schätzungsweise 930 Millionen Euro Gewinn liefern. Zugleich soll der Verschuldungsgrad dank der Kapitalerhöhung nicht steigen: Die Verschuldung bleibe etwa beim Dreifachen des operativen Ergebnisses (Ebitda), bekräftigte RWE. Größere Zukäufe im neuen Geschäft strebt RWE derzeit nicht an. Einen Ausflug in die Verteilnetze, wo E.ON aktiv ist, plant Krebber nicht.



