Tankstellen-Preise nur noch einmal täglich erhöhen: Kann Reiches Plan die Abzocke stoppen?
Tankstellen-Preise nur einmal täglich erhöhen: Reiches Plan

Tankstellen-Preise nur noch einmal täglich erhöhen: Kann Reiches Plan die Abzocke stoppen?

Die Bundesregierung will mit einem neuen Modell gegen die als Abzocke empfundenen Preisschwankungen an deutschen Tankstellen vorgehen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (52, CDU) kündigte am Mittwoch in Berlin das sogenannte österreichische Modell an. Demnach sollen Tankstellen ihre Preise künftig nur noch einmal am Tag erhöhen dürfen. Senkungen bleiben jederzeit möglich.

Autofahrer äußern massive Skepsis

Bei einer aktuellen Debatte zeigte sich die Mehrheit der teilnehmenden Leser skeptisch. 81 Prozent glauben nicht, dass diese Maßnahme die Abzocke an der Zapfsäule stoppen kann. Nur 16 Prozent erwarten dadurch ein Ende der als unfair empfundenen Preispolitik, während drei Prozent unschlüssig bleiben.

Marco Sturm äußert sich vorsichtig optimistisch: „Auch wenn ich nicht glaube, dass es den Benzinpreis günstiger macht, sollte man das Modell ausprobieren.“ Für ihn bedeutet die Regelung immerhin einen Deckel für 24 Stunden. Der Vorteil: „Man muss nicht mehr so krass kalkulieren, wann man an die Tanke fährt. Gegen das allgemein hohe Preisniveau wird das aber kein Hebel sein.“

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Bedenken wegen langwieriger politischer Prozesse

Kerstin Kewa zeigt sich besonders skeptisch, da ihr der Vorschlag bekannt vorkommt. Sie verweist darauf, dass Baden-Württemberg bereits im Oktober letzten Jahres einen ähnlichen Antrag eingebracht habe – noch vor dem Iran-Krieg. Dieser Antrag liege immer noch bei den Ausschüssen der Länderkammer. „Bis die Politik das ausdiskutiert hat, hat sich der Iran-Krieg erledigt, die Spritpreise sinken wieder und dann ist kein Handlungsbedarf mehr“, schreibt Kewa.

Unterstützung von Vielfahrern

Hans-Günter Kuropka, ein Vielfahrer, begrüßt den Vorschlag: „Mittlerweile wird 10mal und mehr umgestellt, 4 Cent rauf, 3 Cent runter, so geht es die ganze Zeit.“ Auch Reinhard Lahrmann spricht sich klar für die Maßnahme aus: „Das wird sicherlich etwas helfen, Ruhe in den Markt zu bringen. 18 Mal ohne Grund am Tag die Preise senken oder anheben, versteht ohnehin niemand.“ Er plädiert für eine Testphase: „Man soll das System mal ein bis zwei Jahre ausprobieren und dann sehen, wie es läuft. So wie bislang kann und darf es auch nicht weitergehen.“

Kritik an Mineralölkonzernen und Staat

Andreas Skusa und Markus Draxler sehen nicht nur die Öl-Multis in der Verantwortung. Draxler schreibt: „Wer zockt denn bitte ab? Zum einen die Mineralölkonzern, die in Deutschland machen können, was sie wollen, und zum anderen der Staat, der hohe Steuern auf Sprit verlangt.“

Rückblick auf frühere Zeiten

Werner Jockel erinnert an frühere Zeiten, als die Preise nicht digital, sondern mit Plastik-Zahlen an Tafeln angezeigt wurden und oft tagelang unverändert blieben. „Idealerweise Preis 14 Tage unveränderbar oder 4 Wochen. Nicht elektronisch, sondern vor Ort auf die Leiter und am Aushang den Preis händisch ändern“, schlägt er vor. Damals habe es zwar auch Rohölbörsen und schwankende Preise gegeben, aber noch keine als Abzocke empfundene Praxis.

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