Gartensaison 2026: Tentakel-Sägerät revolutioniert Hobby-Gärtnern
Tentakel-Sägerät: Zukunft für Hobby-Gärtner

Die Gartensaison 2026 läuft auf Hochtouren. Im Jarmener Gartenbaubetrieb Vorpahl sind junge Gemüsepflanzen und Kräuter derzeit besonders gefragt. Das meiste davon zieht das Unternehmen vor Ort selbst auf – meist vom Samen an. Gärtnermeister Frank Vorpahl erklärt im Video, wie die Aufzucht funktioniert, was aktuell Trend ist und worauf Hobby-Gärtner bei Wetterkapriolen achten sollten.

Vom Samen zur Jungpflanze: Ein Familienbetrieb mit Tradition

Der Familienbetrieb an der Anklamer Straße in Jarmen entstand nach der Wende aus einer DDR-Genossenschaft. Heute zählt er zu den letzten im Nordosten Deutschlands, die Blumen und Gemüse noch im großen Stil selbst aufziehen – häufig angefangen beim Samenkorn, über den Sämling oder Steckling bis zur verkaufsfertigen Jungpflanze. Was in der Regel mit einem mehrmaligen Umtopfen und häufiger Handarbeit einhergeht, wie der Unternehmer verdeutlicht.

Innovation: Tentakel-Sägerät spart Arbeitsschritt

Angesichts der zunehmenden Personalsorgen kommt mittlerweile ein extra angefertigtes Sägerät zum Einsatz. Dessen tentakelartige Arme platzieren genau ein Korn in jeder der 48 Zellen einer Saatschale. „Wir haben damit fast hundert Prozent Auflauferfolg“, berichtet Frank Vorpahl. Noch mehr als diese Quote freut ihn der Umstand, dass diese Konstruktion das mühselige frühere Pikieren und damit einen kompletten Arbeitsschritt einspart.

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Gewächshäuser: Maßgeschneiderte Klimasteuerung

Der Betrieb verfügt über zahlreiche Gewächshäuser. Mit ihrem punktgenau zu steuernden Heizungs- und Lüftungssystem ermöglichen sie es, alle Kulturen entsprechend der hiesigen Klimaverhältnisse abzuhärten und zum richtigen Zeitpunkt für den Verkauf bereitzuhalten. Wohl wissend, dass jetzt mit dem Monat Mai trotz aller noch vorhandenen Wetterrisiken die neue Beet- und Balkonpflanzen-Saison auch in Vorpommern ins Rollen kommt.

Gärtnern als Lebensgefühl: Trend und Tradition

In Vorpommern gehört das Gärtnern für viele wieder fest zum Leben dazu. Die ältere Generation hat sich ohnehin oft nie gänzlich von dieser vor der Wende üblichen Art der Selbstversorgung verabschiedet. So manche ihrer Kinder behielten das bei oder griffen es später als Hobby wieder auf. Inzwischen verlegen sich zudem immer mehr junge Leute aufs heimische Ackern und Ernten im Kleinformat. Nicht zuletzt befördert durch den Drang zu bewusster Ernährung und die Inflation.

Preisvorteil und Qualitätskontrolle

Für den Handelspreis von wenigen Paprika und Gurken lässt sich schließlich locker die Aufzucht einer entsprechenden Pflanze realisieren. Mit einem vielfachen Ertrag, wenn alles gut geht, sowie dem Wissen, was dafür in die Erde beziehungsweise auf die Blätter und Früchte gekommen ist.

Die Nachfrage: Klassiker und neue Trends

„Beim Salat ist Kopfsalat immer noch die Nummer eins, aber die Leute wollen inzwischen verstärkt Eisbergsalat und Pflücksalat“, schildert Frank Vorpahl. Hinzu kommen verschiedene Paprika. „Kohlrabi geht sowieso immer und natürlich Kräuter.“ Wobei sie da an der Anklamer Straße neben traditionellen einheimischen Vertretern sogar ihr eigenes Basilikum und winterharten Rosmarin ziehen.

DDR-Sorten im Angebot: Ikarus und Harzfeuer

Er versuche, das Angebot neuen Trends anzupassen und gleichzeitig Bewährtes am Leben zu halten. „Bei den Gurken beispielsweise verwenden wir noch einige der DDR-Sorten, die funktionieren nach wie vor sehr gut“, erklärt der Gärtnermeister. Ähnliches kennt er aus der Welt der Paradiesäpfel, in der sich bis heute vor allem zwei Namen erhalten haben, die für sozialistische Zuchterfolge stehen: „Ikarus“ als Fleischtomate und noch viel mehr die Stabtomate „Harzfeuer“. Obwohl es da längst optimierte ähnliche Variationen und Veredelungen gibt, schwören viele Kunden nach wie vor auf diese roten Traditionalisten.

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Tomatenvielfalt: Von Tomberry bis Buffalo Steak

Ansonsten kann es langsam schon mal ziemlich unübersichtlich werden bei diesen Nachtschattengewächsen, räumt Frank Vorpahl ein. Zum einen, weil die Namen lizenzierungsbedingt häufiger wechseln, zum anderen wegen der Formen- und Farben-Vielfalt. Angesichts der zahlreichen Fruchtschalen in Gelb-, Orange-, Braun- und sogar Grün-Tönen droht dem klassischen Rot längst die Unterzahl. Egal ob nun in der ursprünglichen Apfelgestalt oder der ähnlich von Datteln und Kirschen.

Wobei es stark wüchsige Pflanzen gibt, die mehrere Meter gen Himmel wuchern und ständig ausgegeizt werden sollten, genauso wie eine besonders pflegeleichte Buschtomate von knapp über einem halben Meter Höhe für den Balkonkübel. Beim Fruchtvolumen reicht es von der „Tomberry“ mit schmackhaften Kügelchen so klein wie große Johannesbeeren bis zur Sorte „Buffalo Steak“, die es auf über ein Kilogramm Gewicht bringen kann – pro Stück.

Ganzjährige Produktion: Schon im Winter wächst der Frühling

Das Wachsen und Gedeihen in der Gärtnerei folgt einem auf Monate im Voraus angelegten peniblen Fahrplan, der schon im Dezember startet und die ersten Ergebnisse zeigt, wenn draußen noch der Schnee liegt. Schließlich müssen die Kulturen zum einen jeweils entsprechend ihrem Entwicklungsstadium behandelt werden. Zum anderen sollen die Pflanzen rechtzeitig für den Verkauf bereitstehen und dann noch möglichst durchgehend. Weshalb bei Vorpahls alle paar Wochen zu Tausenden neue „Jahrgänge“ ausgesät werden, die die von der Kundschaft „verursachten“ Lücken wieder auffüllen.

Präsenz auf Märkten und am Stammsitz

Die versorgt das Unternehmen mit seiner Ware vor Ort im Abverkauf am Stammsitz, der verkehrstechnisch sehr günstig in Vorpommern liegt, sowie seinem Laden am sogenannten Geselliusplatz in Demmin. Darüber hinaus zeigen die Jarmener seit Jahrzehnten mit ihren Ständen Präsenz bei verschiedenen Veranstaltungen und Märkten in der Region, sind beispielsweise viermal die Woche auf dem Markt in Greifswald.

Warnung vor zu frühem Auspflanzen

Beim Auspflanzen ins Freiland warnt Frank Vorpahl indes noch vor zu großem Enthusiasmus. Schließlich ist der Mai für die sogenannten Eisheiligen bekannt, mindestens bis Mitte des Monats sei erhöhte Vorsicht geboten. Aber selbst, wenn diese gefürchteten Frostnächte ausbleiben, sei das keine Sicherheitsgarantie. Denn viele Jungpflanzen würden auf einen zu starken Temperatursturz regelrecht mit einem Schock reagieren, das Wachstum vorübergehend einstellen. Bis sich Gemüse davon erholt, könne so lange dauern, dass es von Wochen später ausgesetzten Exemplaren überholt wird. Etwas Geduld kann sich hier also buchstäblich auszahlen.