Tesla-Betriebsratswahl: IG Metall unterliegt gewerkschaftsunabhängiger Liste Giga United in Grünheide
Tesla-Wahl: IG Metall verfehlt Mehrheit in Grünheide

Machtkampf in der Gigafabrik: Giga United siegt bei Tesla-Betriebsratswahl

Bei der hoch umkämpften Betriebsratswahl im deutschen Tesla-Werk in Grünheide hat die gewerkschaftsunabhängige Liste Giga United einen klaren Sieg errungen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis entfallen 24 der 37 Sitze auf Listen ohne direkte Gewerkschaftsbindung. Die von der bisherigen Betriebsratsvorsitzenden Michaela Schmitz angeführte Liste Giga United erhielt dabei die meisten Stimmen und stellt damit die stärkste Fraktion im neuen Gremium.

IG Metall muss sich mit zweitem Platz begnügen

Die IG Metall-Liste Tesla Workers GFFB wurde lediglich zweitstärkste Kraft. Jan Otto, IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen, kommentierte das Ergebnis mit deutlichen Worten: "Trotz aller Attacken des Managements und eines außergewöhnlich unfairen Wahlkampfs" habe man diesen Platz erreicht. Die Gewerkschaftsvertreter Laura Arndt und Philipp Schwartz kündigten an, sich im neuen Betriebsrat weiterhin für Veränderungen zugunsten der Beschäftigten einzusetzen.

Bereits bei der vorherigen Betriebsratswahl vor zwei Jahren hatte die IG Metall zwar die größte Einzelgruppe gestellt, die Sitzmehrheit lag jedoch damals wie jetzt bei nicht gewerkschaftlich organisierten Vertretern. Die diesjährige Wahl, die am Montag begann, war mit besonderer Spannung erwartet worden, da sie aus Sicht beider Lager eine Richtungsentscheidung darstellte.

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Musk warnt per Videobotschaft vor externen Organisationen

Im Vorfeld der Abstimmung hatte Tesla-Chef Elon Musk sich in einer direkt an die Belegschaft gerichteten Videobotschaft zu Wort gemeldet und indirekt vor gewerkschaftlichem Einfluss gewarnt. "Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen", erklärte der Unternehmer. "Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern."

Insgesamt traten bei der Wahl elf verschiedene Listen an. Der Konflikt zwischen Tesla-Management und IG Metall hatte sich in den vergangenen Monaten deutlich zugespitzt. Die Gewerkschaft wirbt seit längerem für einen Tarifvertrag, den Tesla-Werksleiter André Thierig jedoch ablehnt.

Vorfälle und juristische Auseinandersetzungen

Bei einer jüngsten Betriebsratssitzung war es zum Eklat gekommen, als Tesla einem IG-Metall-Vertreter vorwarf, heimlich mitgeschnitten zu haben. Die Gewerkschaft wies diesen Vorwurf zurück, Ermittlungen laufen jedoch noch. Beide Seiten einigten sich vor dem Arbeitsgericht im Streit über bestimmte Äußerungen schließlich auf einen Vergleich.

Bislang hatte die IG Metall in Teslas deutscher Gigafabrik nur begrenzten Einfluss. Vor der Betriebsratswahl intensivierte das Management seine Bemühungen, diesen Zustand beizubehalten. Recherchen zeigen, dass dabei teilweise fragwürdige Methoden zum Einsatz kamen.

Das Wahlergebnis dürfte Elon Musk zufriedenstellen, während die IG Metall ihren Einfluss in dem für die deutsche Automobilindustrie symbolträchtigen Werk weiterhin nur begrenzt ausbauen kann. Die gewerkschaftsunabhängigen Kräfte um Giga United haben hingegen ihre Position gestärkt und werden die Interessenvertretung der Belegschaft in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.

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