Nach dem schweren Sturz von Mitfavorit Jonas Vingegaard auf einer der schwersten Bergetappen der Tour de France haben sich zahlreiche Stars des Pelotons empört über die nächtlichen Dopingkontrollen geäußert. Der zweimalige Tour-Champion aus Dänemark war am frühen Morgen um 2.00 Uhr von Kontrolleuren geweckt worden, bevor er später während der Etappe in einem Kreisverkehr stürzte und mit einem Schlüsselbeinbruch aufgeben musste. Der Aufschrei in der Branche war groß: „Unmenschlich“, „Schande“, „Respektlos!“ lauteten die Reaktionen.
Evenepoel bezeichnet Kontrollen als Schande
Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel, der die Etappe gewann, fand deutliche Worte. „Ich kann nur sagen, dass es ziemlich respektlos ist, die Fahrer mitten in der Nacht zu wecken. Kontrollen um 2.00 und 5.00 Uhr morgens sind etwas, das wir als Fahrer eigentlich nicht hinnehmen können. Es ist schlicht unmenschlich, uns mitten in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen“, sagte der Belgier und bezeichnete die Vorgänge als „Schande“. Evenepoel selbst konnte in der Nacht zu Sonntag gut schlafen, während Vingegaard um 2.00 Uhr und Tadej Pogacar um 5.00 Uhr geweckt wurden.
Pogacar: Schlafmangel könnte Ursache sein
„Nach einer Nacht, bei der der Schlaf ruiniert wird, liegt es vielleicht daran. Seine Tour ist ruiniert. Es ist wirklich traurig“, sagte Pogacar, der das Gelbe Trikot trägt. Er betonte die Bedeutung von Schlaf: „Schlaf ist wichtig. Die Erholung des Körpers ist entscheidend. Wenn man auch nur ein bisschen die Konzentration verliert … Und die Strecke dort in der Ortschaft war wirklich gefährlich.“ Dopingkontrollen finden normalerweise zwischen 6.00 Uhr und 23.00 Uhr statt. Nächtliche Kontrollen sind nur unter strengen Auflagen erlaubt, etwa bei konkreten Verdachtsmomenten.
Lipowitz zeigt Verständnis
Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz, Vorjahresdritter, zeigte Verständnis für den Unmut: „Kontrolliert wird natürlich super viel bei der Tour, und ich glaube, da wird kein Team verschont. Natürlich ist es vielleicht ungünstiger morgens vor so einer harten Etappe. Gestern kamen wir super spät ins Hotel, und dann zählt natürlich jede Minute Schlaf.“ Kontrollen in der Nacht seien „nicht ganz vorteilhaft“.
Evenepoel fordert Eingreifen der Fahrergewerkschaft
Evenepoel forderte die Fahrergewerkschaft CPA auf, einzugreifen. Er wolle sich so etwas nicht gefallen lassen. „Das ist ziemlich respektlos. Ehrlich gesagt: Wäre mir das passiert, würde ich mein Team heute Nacht losschicken, um die Verantwortlichen ebenfalls um 3.00 Uhr morgens zu wecken und ihnen am eigenen Leib spüren zu lassen, wie das ist – und ihnen mitten in der Nacht Blut abnehmen.“



