Das Elektroauto scheint nun endgültig vor dem Durchbruch zu stehen. Was spricht dafür, und warum dieser Wandel gerade jetzt eintritt? Der „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer beobachtet eine Trendumkehr hin zum E-Auto. Denn nicht zuletzt mit den extrem hohen Spritpreisen steigt die Attraktivität von Elektrofahrzeugen. Eine aktuelle Analyse des Autoexperten bestätigt dies und zeigt, dass sich die Autobauer auf eine steigende Nachfrage nach Autos ohne Verbrennungsmotor einstellen.
Hohe Benzinpreise als Treiber
„Die hohen Benzinpreise geben dem Elektroauto Rückenwind“, erklärt der Direktor des CAR – Center Automotive Research in Bochum. „Der geringe Abstand bei den Transaktionspreisen macht die im Unterhalt günstigen Elektroautos zusätzlich attraktiv“, sagt Dudenhöffer gegenüber der Schwäbischen Zeitung. Der Untersuchung zufolge haben die Hersteller die Rabatte für E-Autos im April deutlich gesenkt – ein klares Signal für eine gestiegene Nachfrage nach Stromern.
„Neuwagen mit Verbrennungsmotor zeigten in den letzten Monaten im Gegensatz dazu einen Trend in Richtung steigender Rabatte“, erklärt Dudenhöffer. „Rabatte sind so etwas wie ein Frühindikator und zeigen, wie Autokäufer auf Marktveränderungen reagieren“, erläutert der Experte. In den Zulassungszahlen zeigten sich die Trends hingegen erst drei bis vier Monate später, weil zwischen Bestellung und Zulassung eines Neuwagens eine entsprechende Zeit vergeht.
Günstige E-Kleinwagen beschleunigen die Entwicklung
Eine wichtige Rolle spielt der CAR-Untersuchung zufolge auch der Markteintritt mehrerer günstiger E-Kleinwagenmodelle. Dies führe dazu, dass sich die Preise bei Elektroautos und Verbrennern weiter annähern. „Der Unterschied bei den Transaktionspreisen bei den Top 20 Verbrenner und Top 20 Elektroautos betrug im April noch 1823 Euro“, erklärt Dudenhöffer. Deutlich teurer seien hingegen Plug-in-Hybride mit ihrem doppelten Antrieb. Die eindeutige Schlussfolgerung der Untersuchung: Die hohen Treibstoffkosten an den Tankstellen lösen im Markt deutliche Nachfrage-Reaktionen hin zum Elektroauto aus.
Auch die Förderprämie lässt die Nachfrage steigen
Dies gilt auch für gebrauchte Fahrzeuge: Auf der Marktplattform Mobile.de haben Anfragen zu Elektroautos mit einem Preis von unter 30.000 Euro seit Anfang März um 87 Prozent zugenommen, angeführt von Modellen wie dem Zoe von Renault, teilt die Wirtschaftsnachrichten-Agentur Bloomberg mit. Damit übertreffe das Wachstum den Anstieg von 77 Prozent bei Anfragen zu Elektroautos insgesamt – unabhängig vom Preis. In Großbritannien haben sich die Anfragen zu E-Autos im Alter von fünf bis sieben Jahren im April im Vergleich zum Vorjahr sogar verdreifacht.
Der Nahostkonflikt hat das Interesse der Verbraucher an Elektrofahrzeugen neu entfacht, erläutert Bloomberg die Entwicklung. Die Nachfrage wurde zudem durch Förderprogramme in Deutschland, Europas größtem Markt für Elektrofahrzeuge, angekurbelt, wo Käufer bis zu 6000 Euro Rabatt auf den Kaufpreis eines neuen E-Autos erhalten können. „Der Iran-Krieg führt dazu, dass das Thema Bezahlbarkeit stärker in den Fokus rückt, weil es weltweit hohe Inflation und Unsicherheit gibt“, sagt Mobile.de-Geschäftsführer Ajay Bhatia. Teure Elektroautos würden dagegen nicht gekauft.
Gut 40 Prozent mehr E-Autos zugelassen
Auch die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in Flensburg bestätigen den Trend: Die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos stieg im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 41,3 Prozent auf mehr als 64.000. Ihr Marktanteil liegt damit deutlich vor dem von Benzinern und nur noch wenige Prozentpunkte hinter dem von Hybrid-Fahrzeugen. Mit 25,8 Prozent war mehr als jeder vierte in Deutschland zugelassene Neuwagen ein reines Elektroauto. Hybride kamen mit gut 70.000 auf einen Marktanteil von 28,1 Prozent. Die Zahl neuer Benziner sackte im Vorjahresvergleich um 20 Prozent ab, sie kamen noch auf einen Marktanteil von 21,4 Prozent. Diesel-Fahrzeuge liegen bei 13 Prozent, Plug-in-Hybride bei 11,1.
Insgesamt wurden im April mehr als 249.000 Pkw neu zugelassen, was einem Anstieg von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht. Zum 1. Januar 2026 hat die Zahl der rein elektrischen Pkw in Deutschland erstmals die Marke von zwei Millionen überschritten. Das entspricht einem Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Experten von EY bleiben eher skeptisch
Doch nicht jeder geht davon aus, dass die Trendwende hin zum E-Auto tatsächlich von Dauer sein wird. Der starke Anstieg bei den Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland sei vor allem auf die neue Elektroprämie zurückzuführen, erklärt die Beratungsfirma EY. „Der Staat und damit die Steuerzahler geben mehrere Milliarden Euro für die Ankurbelung des E-Auto-Absatzes aus“, sagt EY-Experte Constantin Gall. „Das Ergebnis ist – wie schon bei früheren Förderprogrammen – ein starkes Absatzwachstum bei E-Autos, das genau so lang anhält, wie die Prämie bezahlt wird. Nach Auslaufen der Förderung wird der Elektro-Absatz wieder einbrechen“, so Gall.



