Hochspannung in Wolfsburg: Während der Aufsichtsrat von Volkswagen am Donnerstag über einen verschärften Sparkurs berät, machen IG Metall und Betriebsrat bundesweit Front gegen die Pläne der Konzernbosse. Vor der Zentrale wird demonstriert, auch an allen anderen deutschen Standorten sind Protestaktionen angekündigt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie radikal will VW sparen?
Konzernchef Blume treibt Sparkurs voran
Konzernchef Oliver Blume (58) arbeitet an einem neuen „Zielbild 2030“ für Volkswagen. Schon im Frühjahr hatte er angekündigt, den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Es könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Vier deutschen Werken droht das Aus. Betroffen wären Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Dort könnte die Fahrzeugproduktion bis Ende 2034 auslaufen.
Volkswagen bestätigt bislang lediglich, dass der Vorstand „intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens“ arbeitet. Ziel sei eine „umfassende Transformation“. Details nennt der Konzern noch nicht.
Proteste und Widerstand gegen die Pläne
Die Gewerkschaft will den Plänen nicht tatenlos zusehen. Bundesweit ruft sie Beschäftigte zum Aktionstag auf. In Wolfsburg findet unmittelbar vor Beginn der Aufsichtsratssitzung eine Kundgebung direkt vor dem Vorstandshochhaus statt. Weitere Proteste sind an allen deutschen VW-Standorten sowie bei Audi, Porsche und MAN geplant. In Stuttgart soll ein Autokorso durch die Stadt fahren.
Wenn das Kontrollgremium um 14.30 Uhr zusammentritt, dürfte es kontrovers werden. Denn nicht nur die Arbeitnehmervertreter stellen sich gegen mögliche Werksschließungen. Auch das Land Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile hält, lehnt den Kurs ab. Vize-Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg (40, Grüne) macht deutlich: „Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie.“
Mehrheit gegen Vorstandsvorschläge
Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern hat Niedersachsen derzeit die Mehrheit im Aufsichtsrat. Ein Sitz der Kapitaleigner ist momentan unbesetzt. Deshalb gilt es als nahezu ausgeschlossen, dass die Vorschläge des Vorstands unverändert beschlossen werden. Bei Volkswagen werden Konflikte im Aufsichtsrat traditionell meist durch Verhandlungen gelöst.
Schon Ende 2024 hatte ein heftiger Tarifkonflikt den Konzern erschüttert. Mehrere Warnstreiks legten damals die Produktion lahm. Auch damals standen Werksschließungen und Stellenabbau im Raum. Erst kurz vor Weihnachten einigten sich Unternehmen und Gewerkschaft. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen. Der Stellenabbau soll stattdessen über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme erfolgen.
Bereits 50.000 Stellenabbau bis 2030 vereinbart
Bis 2030 sollen bereits 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen – davon 35.000 bei der Kernmarke Volkswagen. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben entsprechende Vereinbarungen bereits unterschrieben. Nach Ansicht von Blume reichen die Ende 2024 vereinbarten Sparmaßnahmen inzwischen nicht mehr aus. Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und der verschärfte Wettbewerb setzten Volkswagen immer stärker unter Druck. Das bisherige Geschäftsmodell funktioniere nicht mehr: in Europa entwickeln und produzieren, weltweit verkaufen. Deshalb müsse der Konzern seine Kosten weiter senken.



