Deutsche Banken warnen vor steigenden Kreditausfällen 2024
Banken warnen vor steigenden Kreditausfällen 2024

Die deutschen Banken stellen sich auf einen deutlichen Anstieg der Kreditausfälle im kommenden Jahr ein. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) hervor, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt. Demnach rechnen 72 Prozent der befragten Institute mit einer Zunahme notleidender Kredite im Jahr 2024. Nur acht Prozent gehen von einem Rückgang aus.

Risikovorsorge wird aufgestockt

Die Banken reagieren auf die erwartete Entwicklung mit einer deutlichen Aufstockung ihrer Risikovorsorge. Im laufenden Jahr haben die Institute bereits rund 1,5 Milliarden Euro für faule Kredite zurückgelegt, wie aus der Umfrage weiter hervorgeht. Für 2024 planen die Banken, die Risikovorsorge um weitere 20 Prozent auf dann rund 1,8 Milliarden Euro zu erhöhen.

„Die Zeiten niedriger Kreditausfälle sind vorbei. Die konjunkturelle Abkühlung und die gestiegenen Zinsen hinterlassen Spuren in den Bilanzen der Unternehmen und damit auch bei den Banken“, sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Jürgen Fitschen dem Tagesspiegel. Besonders betroffen seien die Bereiche Bauwirtschaft, Einzelhandel und Teile des verarbeitenden Gewerbes.

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Insolvenzen nehmen zu

Hintergrund der verschlechterten Kreditqualität ist die steigende Zahl von Unternehmensinsolvenzen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die Firmenpleiten im dritten Quartal 2023 um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2023 rechnen Experten mit rund 16.000 Insolvenzen – ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber 2022. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien von der Entwicklung betroffen, da sie oft weniger finanzielle Reserven hätten.

Die Banken sehen auch die gestiegenen Zinsen als Belastungsfaktor. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen seit Juli 2022 um insgesamt 4,5 Prozentpunkte angehoben. Das verteuert Kredite und belastet die Finanzierungskosten der Unternehmen. „Die Zinswende trifft viele Firmen unvorbereitet. Sie haben sich in den Niedrigzinsjahren oft zu hohe Schulden aufgenommen“, so Fitschen weiter.

Auswirkungen auf die Kreditvergabe

Die steigenden Risiken haben auch Auswirkungen auf die Kreditvergabepraxis der Banken. Laut der Umfrage verschärfen 58 Prozent der Institute ihre Kreditstandards. Das bedeutet, dass Unternehmen und Verbraucher es schwerer haben, neue Kredite zu bekommen. Besonders betroffen sind gewerbliche Immobilienfinanzierungen und Konsumentenkredite.

„Die Banken werden vorsichtiger. Das ist in der aktuellen Lage auch notwendig, um die eigene Stabilität zu sichern. Allerdings darf die Kreditversorgung der Wirtschaft nicht abgewürgt werden“, mahnte Fitschen. Die BdB-Umfrage zeigt auch, dass 45 Prozent der Banken mit einem Rückgang der Kreditnachfrage im kommenden Jahr rechnen. Dies sei ein Zeichen für eine nachlassende Investitionsbereitschaft der Unternehmen.

Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit den Prognosen von Wirtschaftsforschungsinstituten. Das Ifo-Institut erwartet für 2024 ein nur minimales Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose zuletzt ebenfalls nach unten korrigiert. Auch die Kreditausfälle im Privatkundengeschäft nehmen zu. Hier rechnen 38 Prozent der Banken mit steigenden Ausfällen, insbesondere bei Immobilienkrediten und Dispositionskrediten.

Fazit

Die deutschen Banken stellen sich auf ein schwieriges Jahr 2024 ein. Steigende Kreditausfälle, höhere Risikovorsorge und verschärfte Kreditstandards deuten auf eine angespannte Lage hin. Die Banken appellieren an die Politik, die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern, um eine Abwärtsspirale zu vermeiden.

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