Alan Greenspan, der legendäre ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, ist tot. Er starb am Montag im Alter von 100 Jahren, wie sein langjähriger Sprecher Mitchell L. Moss bestätigte. Greenspan war von 1987 bis 2006 Chef der Fed und prägte die Geldpolitik der USA in einer Ära des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Finanzmärkte.
Von der Reagan-Ära bis zur Finanzkrise
Greenspan übernahm die Fed im August 1987, nur wenige Wochen vor dem Börsencrash am Schwarzen Montag. Er reagierte mit einer aggressiven Zinssenkung, die als Blaupause für spätere Krisenmanagements diente. Unter seiner Führung erlebte die US-Wirtschaft in den 1990er Jahren ein beispielloses Wachstum, das oft als „Goldilocks-Ökonomie“ bezeichnet wurde – weder zu heiß noch zu kalt.
Seine lockere Geldpolitik nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und nach den Anschlägen vom 11. September 2001 trug jedoch auch zu Immobilienblase und Finanzkrise 2008 bei. Kritiker werfen ihm vor, die Risiken am Derivatemarkt unterschätzt zu haben.
Der „Maestro“ der Geldpolitik
Greenspan galt als einer der einflussreichsten Notenbanker der Geschichte. Er wurde von Präsident Ronald Reagan ernannt und von den Präsidenten George H. W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush im Amt bestätigt. In seiner Amtszeit stieg die US-Wirtschaftsleistung um über 60 Prozent, die Inflation blieb niedrig.
„Alan Greenspan war ein Gigant der Wirtschaftspolitik“, erklärte Fed-Chef Jerome Powell in einer Stellungnahme. „Seine Entscheidungen haben Millionen von Menschen weltweit beeinflusst.“
Leben nach der Fed
Nach seinem Ausscheiden bei der Fed im Jahr 2006 gründete Greenspan die Beratungsfirma Greenspan Associates LLC und veröffentlichte mehrere Bücher, darunter seine Memoiren „The Age of Turbulence“ (2007). Er blieb bis ins hohe Alter ein gefragter Kommentator zu Wirtschaftsfragen. Greenspan hinterlässt seine Ehefrau, die britische Journalistin Andrea Mitchell, mit der er seit 1997 verheiratet war.



