Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine wachsende Bedeutung des Euro an den weltweiten Finanzmärkten festgestellt. Laut einem aktuellen Bericht der Notenbank hat sich die internationale Rolle des Euro im Jahr 2025 moderat verbessert und seine Position als zweitwichtigste Währung der Welt gefestigt. Dies gab die EZB in Frankfurt bekannt.
Rekord bei internationalen Schulden in Euro
Besonders bemerkenswert ist, dass die Ausgabe internationaler Schulden in Euro im Jahr 2025 den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung erreicht hat. Im Vergleich zu 2024 stieg das Volumen um rund 30 Prozent. Die EZB betonte zudem: "Der Euro wurde erstmals zur führenden Währung auf dem internationalen Markt für grüne und nachhaltige Anleihen." Auch die Zuflüsse ausländischer Portfolioinvestitionen in den Euroraum liegen nahe an historischen Höchstständen. Insgesamt stieg der Anteil des Euro an einer Reihe von Indikatoren für die globale Verwendung auf rund 20 Prozent.
Lagarde will stärkeren Euro als Antwort auf Trump
Die EZB strebt eine stärkere Rolle des Euro neben dem Dollar als Weltleitwährung an, auch als Reaktion auf die Politik von US-Präsident Donald Trump. Die Hoffnung ist, dass Kredite in der EU mit einem starken Euro günstiger werden. Zudem hätten Wechselkursschwankungen dann weniger Auswirkungen, da mehr Handel in Euro abgewickelt würde, und Europa wäre besser gegen Sanktionen geschützt.
Rund 57 Prozent der weltweiten Devisenreserven wurden der EZB zufolge 2025 in Dollar gehalten, während auf den Euro 20 Prozent entfielen. Trumps aggressiver Kurs und seine Zolldrohungen hatten Zweifel an der Vormachtstellung des Dollars aufkommen lassen; der Dollar verlor zeitweise stark an Wert. Angesichts dieses Wandels schien die Zeit reif für eine größere internationale Rolle des Euro, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits 2025 an der Hertie School in Berlin.
EZB plädiert für gemeinsame EU-Schulden
Heute gebe es Zeichen für Instabilität im Finanzsystem, so die EZB. So hätten Zentralbanken ihre Goldreserven aufgestockt und einige Länder trieben alternative Zahlungssysteme voran. Es bestehe eine Chance für den Euro, seine globale Attraktivität zu steigern, aber die europäischen Entscheidungsträger müssten die notwendigen Voraussetzungen schaffen, mahnte Lagarde.
"Damit sich der Euro zu einer wahrhaft globalen internationalen Währung entwickeln kann, muss der Euroraum an Größe gewinnen sowie tiefere und liquidere Kapitalmärkte aufbauen." Zudem sprach sie sich für eine gemeinsame Schuldenaufnahme in der EU aus: "Zusätzliche Maßnahmen wie die gemeinsame Finanzierung öffentlicher Güter würden dazu beitragen, einen sicheren und liquiden Pool öffentlicher Schulden der EU zu schaffen."
Dem Bericht zufolge ist der Markt für US-Staatsanleihen fast dreimal so groß wie die in der EU begebenen Staatsschulden mit guter Bonität. "Da Devisenreserven typischerweise aus hoch bewerteten Staatsanleihen und Einlagen bestehen, könnte das begrenzte Angebot an derartigen Schuldtiteln im Euroraum das Wachstum der Rolle des Euro einschränken."
Gemeinsame EU-Schulden: Ein heißes Eisen
Gemeinsame EU-Schulden sind allerdings ein umstrittenes Thema. Deutschland stimmte diesen nur in Ausnahmen zu – wie für den Corona-Aufbaufonds oder für die Finanzierung der von Russland angegriffenen Ukraine. Die Diskussion darüber dürfte angesichts der neuen Impulse der EZB neu entfacht werden.



