Revolut unter Druck der EZB
Die britische Neobank Revolut gerät offenbar ins Visier der Europäischen Zentralbank (EZB). Wie die Financial Times berichtet, haben die Finanzaufseher interne Prozesse bei der Einführung neuer Produkte beanstandet. Revolut selbst betont in einer Stellungnahme, man stehe in einem „kontinuierlichen und konstruktiven Dialog“ mit den Regulierungsbehörden. Ein Sprecher erklärte, das Unternehmen verpflichte sich zur Einhaltung „höchster Standards“ in der Unternehmensführung und im Risikomanagement. Man stärke regelmäßig das interne Kontrollumfeld und die betrieblichen Prozesse, um den Erwartungen der Aufsicht gerecht zu werden.
Kritik am Wachstumstempo
Laut dem Bericht soll die EZB besorgt über das schnelle Wachstum von Revolut gewesen sein. Konkret geht es um die operative Einheit Revolut Bank UAB im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Die Aufseher hätten im vergangenen Jahr Verbesserungen an den internen Prozessen bei der Einführung neuer Produkte gefordert. Zudem soll die EZB dem europäischen Zweig untersagt haben, Übernahmen zu tätigen oder neue Kunden außerhalb des Kontinents aufzunehmen. Die EZB wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.
Revolut wächst rasant
Revolut zählt zu den größten Neobanken weltweit und meldete zuletzt starke Wachstumszahlen: Der Nettogewinn stieg im vergangenen Jahr um rund 60 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro – ein neuer Rekordgewinn. Zum Jahresende 2025 hatte das Unternehmen insgesamt 68,3 Millionen Kunden, davon rund drei Millionen in Deutschland. In der EU ist Revolut derzeit mit einer Banklizenz aus Litauen tätig. Im März erhielt das Unternehmen nach jahrelanger Prüfung durch die britische Finanzaufsicht die vollständige Banklizenz im Vereinigten Königreich. Damit kann Revolut nun auch in Großbritannien Einlagen annehmen und Kredite vergeben. Mit einem zeitlich befristeten Zinssatz von fünf Prozent für Tagesgeld liegt der Newcomer deutlich über den Konditionen etablierter Banken.
Expansion und Börsenpläne
Revolut hat zudem Banklizenzen in Frankreich und den USA beantragt und plant, in den Vereinigten Staaten eine eigene Bank aufzubauen. 2025 eröffnete das Unternehmen Niederlassungen in Portugal, Belgien und Ungarn und brachte Sparkonten sowie Mobilfunkangebote in mehreren EWR-Märkten an den Start. In der Londoner City wird spekuliert, dass Revolut in den kommenden zwei Jahren an die Börse gehen könnte. Bei den jüngsten Finanzierungsrunden erreichte das 2015 von dem gebürtigen Russen Nik Stoironsky gegründete Unternehmen eine Marktbewertung von 75 Milliarden Dollar. Bloomberg berichtete Anfang Juni, dass Revolut vor dem Börsengang eine weitere Finanzierungsrunde mit einer Bewertung von 115 Milliarden Dollar anstrebt.
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