Die britische Großbank HSBC hat im ersten Halbjahr 2026 dank eines starken Asien-Geschäfts deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet. Der Vorsteuergewinn stieg um 23 Prozent auf 19,5 Milliarden Dollar, wie das Geldhaus am Dienstag in London mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 18,9 Milliarden Dollar gerechnet.
Ergebnis getrieben von Kreditvergabe und Vermögensverwaltung
Getrieben wurde das Ergebnis vor allem von der Kreditvergabe und dem Vermögensverwaltungsgeschäft, dessen Erträge um 18 Prozent zulegten. Die Bank profitierte dabei von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Finanzdienstleistungen in Asien, insbesondere in Hongkong. Konzernchef Georges Elhedery betonte: "Hongkong bleibt das Herzstück für unser Wachstum in Asien." Allein in den ersten sechs Monaten gewann die Bankengruppe dort 640.000 neue Kunden.
Aktienrückkauf und Dividende
Nach einer Pause von drei Quartalen kündigte HSBC an, wieder eigene Aktien im Volumen von bis zu einer Milliarde Dollar zurückzukaufen. Zudem sollen Aktionäre eine zweite Zwischendividende von 0,10 Dollar je Anteilsschein erhalten. Die Anleger reagierten jedoch verhalten: Sowohl an der Hongkonger als auch an der Londoner Börse verloren die Aktien rund ein Prozent.
Die Aktienrückkäufe waren Ende vergangenen Jahres ausgesetzt worden, weil die HSBC die kleinere Hongkonger Tochter Hang Seng Bank von der Börse nahm. Analysten der US-Bank Citi wiesen darauf hin, dass das nun angekündigte Rückkaufprogramm von einer Milliarde Dollar unter den Markterwartungen von 2,2 Milliarden Dollar liege.
Prognose für Zinsüberschuss angehoben
Für das Gesamtjahr hob HSBC die Prognose für den Zinsüberschuss an und erwartet nun mehr als 46 Milliarden Dollar. Zuvor war genau diese Marke anvisiert worden. Die Anhebung spiegelt die Erwartung wider, dass die Zinsmargen in den kommenden Monaten stabil bleiben und das Kreditwachstum in Asien anhält.
Strategie: Verschlankung des Konzerns
Elhedery setzt außerdem seinen Kurs fort, das Institut durch den Rückzug aus Märkten ohne ausreichende Größe zu verschlanken. So trennte sich HSBC zuletzt vom Versicherungsgeschäft in Singapur, dem Privatkundengeschäft in Ägypten und dem Hypothekengeschäft in Australien. Diese Schritte sind Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die darauf abzielt, die Effizienz zu steigern und das Kapital auf Kernmärkte zu konzentrieren.
Die HSBC ist mit einer Bilanzsumme von rund 3 Billionen Dollar die größte Bank Europas. Sie erwirtschaftet einen Großteil ihrer Gewinne in Asien, wo sie in Hongkong und China stark vertreten ist. Die Übernahme des singapurischen Versicherungsgeschäfts durch die Allianz für etwa 2 Milliarden Euro zeigt, dass die Bank bereit ist, sich von nicht strategischen Beteiligungen zu trennen.



