Milliardenpoker in Italien: Intesa will Monte dei Paschi kaufen
Intesa will Monte dei Paschi für 30 Milliarden Euro übernehmen

Der italienische Bankensektor steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Im Zentrum steht die älteste Bank der Welt, Monte dei Paschi di Siena (MPS). Am Wochenende schlug die Mailänder Banco BPM eine Fusion mit MPS vor. Am Montag legte die Großbank Intesa Sanpaolo nach: Sie will MPS für rund 30 Milliarden Euro in bar und Aktien übernehmen.

Komplexe Transaktion mit mehreren Partnern

In einer komplexen Transaktion soll die Marke MPS zusammen mit etwa der Hälfte des Filialnetzes für drei bis 3,5 Milliarden Euro an Unipol Assicurazioni weitergereicht werden. Intesa würde die Marke der Mailänder Investmentbank Mediobanca, die MPS im September 2025 übernommen hatte, sowie die übrigen 625 MPS-Filialen und zentrale Konzernfunktionen behalten.

Filippo Alloatti, Head of Financials beim Vermögensverwalter Federated Hermes, rechnet damit, dass Intesa mit der geplanten Struktur rund 80 Prozent des kombinierten Nettogewinns von MPS und Mediobanca im Jahr 2025 vereinnahmen würde. „Die Umgestaltung der italienischen Finanzlandschaft nimmt nun spürbar Fahrt auf – eine Entwicklung, die Marktteilnehmer bereits seit mehr als einem Jahrzehnt erwarten“, sagt Alloatti.

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Börse reagiert positiv

Die Mailänder Börse reagierte bei der Öffnung am Montag positiv: MPS legte um 9,6 Prozent zu, Mediobanca um neun Prozent, BPER um 4,3 Prozent. Intesas Aktienwert gab um 2,8 Prozent nach und der Titel von Banco BPM um ein Prozent.

Intesa teilte am Montagvormittag mit, den MPS-Aktionären für jeweils zehn Papiere 16 neue Intesa-Stammaktien – entsprechend einem Umtauschverhältnis von eins zu 1,6 – sowie zusätzlich einen Euro je Aktie in bar anzubieten. Das Offert liegt 12,5 Prozent über dem Schlusskurs vom 5. Juni und bewertet Monte dei Paschi insgesamt mit 30,6 Milliarden Euro.

Intesa-Chef spricht von „einmaliger Gelegenheit“

Intesa-Chef Carlo Messina sagte, das Angebot für MPS stelle „eine einmalige Gelegenheit dar, unsere Position als europäischer Marktführer und unsere Präsenz in Italien zu stärken und dabei erheblichen Mehrwert für die Aktionäre beider Banken zu schaffen“. Durch die Übernahme entstünde gemessen an der Marktkapitalisierung die zweitgrößte Bankengruppe der Euro-Zone. Für das Jahr 2029 wird ein Nettogewinn von 16 Milliarden Euro prognostiziert. Intesa geht davon aus, in drei Jahren in Italien rund 20 Millionen Kunden zu erreichen.

Kartellrechtliche Aspekte und strategische Vorteile

Für Stefano Caselli, Finanzprofessor an der Mailänder Bocconi-Universität, ist klar: Sollte das Angebot angenommen werden, käme es zu „einer der größten Bankübernahmen in der italienischen Geschichte“. Er lobt die „smarte“ Konstruktion des Deals und beschreibt drei strukturelle Vorteile: Der Deal konsolidiere das italienische Bankensystem, da Intesa seine Position als größte Bank festige. Gleichzeitig würde der Deal zwischen Intesa und Unipol die Bank BPER zum Geldhaus mit dem zweitgrößten Filialnetz in Italien aufsteigen lassen: Unipol ist seit Jahren mit rund 20 Prozent der erste Aktionär von BPER und kontrolliert sie damit faktisch, ohne formell die Mehrheit zu besitzen.

Sollte die Intesa-Übernahme von MPS also gelingen, würde im Anschluss der Intesa-Unipol-Deal greifen, in dessen Zuge Unipol die MPS-Filialen in die BPER einbringen würde. Diese Operation ist aus kartellrechtlichen Gründen notwendig, weil die Intesa nach der Übernahme von MPS in einigen Regionen Norditaliens eine zu starke Dominanz im Filialnetz hätte. Die neue Bank, die aus der Kombination der MPS-Filialen und der BPER entstehen würde, soll „Banca Monte dei Paschi“ heißen.

Die Integration von Mediobanca würde in einen deutlich größeren Konzern als MPS abgeschlossen, was die Übernahme „deutlich effektiver“ mache und Intesas Investment-Banking-Arm „erheblich stärkt“, sagt Caselli. Der dritte Vorteil des Intesa-Angebots sei, dass es alle offenen Governance-Fragen bei MPS lösen würde – inklusive des seit Jahren schwelenden Streits um den staatlichen Anteil an der Bank. Denn die italienische Regierung hatte MPS Jahre zuvor wegen eines drohenden Bankrotts mit Staatsgeldern gerettet. Sie war zwischenzeitlich Hauptanteilseignerin gewesen und hält bis heute Anteile an ihr, die sie im Rahmen der Intesa-Übernahme wohl veräußern würde.

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Banco BPM als Gegenspieler

Das Übernahmeangebot von Banco BPM für MPS dürfte weniger eine eigenständige Initiative gewesen sein als vielmehr der Versuch, der Intesa-Offensive zuvorzukommen. Caselli bezeichnet die Fusion zweier mittelgroßer Häuser zu einem zweitgrößten Institut zwar als „vernünftig“, verweist jedoch auf die mit einer solchen Struktur einhergehende komplexe Governance. Zudem sei das Intesa-Angebot für MPS-Aktionäre klar attraktiver: „Sie erhalten mehr Geld, die Aktien einer deutlich größeren Bank und profitieren von deutlich höheren Synergieaussichten.“

Politische Rückendeckung für Intesa

Ein weiteres Indiz für die besseren Erfolgsaussichten des Intesa-Angebots ist die politische Rückendeckung aus Rom: Ministerpräsidentin Giorgia Meloni soll Medienberichten zufolge die Pläne von Konzernchef Carlo Messina bevorzugen – und bereits vorab über das Vorhaben informiert gewesen sein. Zwar hat sich Meloni nicht öffentlich zu den Fusionsplänen geäußert, doch gilt sie als kritisch gegenüber einem Zusammenschluss von Banco BPM und MPS. Ein solcher Deal würde der französischen Bank Crédit Agricole, die mit 22,8 Prozent größter Aktionär von Banco BPM ist, indirekten Zugriff auf den italienischen Versicherer Generali verschaffen, an dem MPS 13,3 Prozent hält. Genau das will Meloni vermeiden: Generali ist der größte Käufer italienischer Staatsanleihen – seine „Italianità“ soll gewahrt bleiben.

In den Zeitungsberichten kursiert bereits die Idee, dass die Regierung ihre sogenannte „Golden Power“ gegen die Fusion von MPS und Banco BPM einsetzen könnte, die zum Schutz strategischer Wirtschaftssektoren vor ausländischer Einflussnahme dient. In der Vergangenheit hatte die Meloni-Regierung sie allerdings gerade im Bankensektor breiter interpretiert und eingesetzt, um die Übernahme der Banco BPM durch die italienische Großbank Unicredit zu verhindern. Caselli hält dieses Szenario indes für unwahrscheinlich: Staatliche Rückendeckung sei nicht nötig, weil die „industrielle Logik des Deals so stark ist“. Dass die Regierung am Ende zufrieden sei, zweifle er zwar nicht an, schließlich seien die Regierungen in ganz Europa stark an Übernahmen im Banksektor interessiert. „Aber das ist eine Folge, keine Ursache“, sagt Caselli.