Im Erbschaftsstreit um das Fiat-Imperium eskaliert der Familienkonflikt: Margherita Agnelli, die 70-jährige Mutter von Stellantis-Aufsichtsratschef John Elkann, hat beim Turiner Gericht beantragt, als Zivilpartei in das laufende Steuerstrafverfahren gegen ihren Sohn zugelassen zu werden. Sie verlangt Schadensersatz wegen moralischen Schadens und Rufschädigung. Dieser Schritt verlängert das Strafverfahren und verschärft den Druck auf einen der bekanntesten Industriedynastien Europas.
Hintergrund des Steuerstreits
John Elkann und seine Geschwister zahlten im vergangenen Jahr 183 Millionen Euro an die italienische Steuerbehörde, um eine Steuerermittlung wegen angeblich nicht deklarierter Vermögenswerte aus dem Erbe ihrer Großmutter Marella Caracciolo beizulegen. Trotz dieser Zahlung ordnete der zuständige Richter im Dezember an, den Fall weiterzuverfolgen. Die Staatsanwaltschaft strebt eine Anklage gegen Elkann wegen des Verdachts auf betrügerische Steuererklärung und Betrug zum Nachteil des italienischen Staates an. Eine Entscheidung wird bei einer späteren Anhörung erwartet.
Mutter wirft Ausschluss vom Erbe vor
Margherita Agnellis Anwälte stellen den Steuerfall als Teil eines umfassenderen Schemas dar, das sie persönlich geschädigt habe. Sie sei vom Erbe ihrer Eltern ausgeschlossen worden, und die Eigentümerstruktur der Familien-Holding Dicembre sei bedroht. Elkanns Anwälte wiesen diese Darstellung zurück: Agnelli sei nicht vom Erbe ausgeschlossen worden, sondern habe die Familiengruppe 2004 auf Basis von Vergleichen verlassen, die sie selbst angestrebt habe.
Kern des Rechtsstreits: Holding Dicembre
Dicembre steht an der Spitze der Beteiligungsstruktur der Familie Agnelli. Über diese Holding hält die Dynastie Anteile an Unternehmen wie Ferrari, dem Fiat- und Jeep-Eigentümer Stellantis sowie an dem Fußballclub Juventus Turin. Margherita Agnellis Anwälte erklären, das weitergehende Verfahren könnte letztlich die Kontrolle über Dicembre berühren. Elkanns Anwälte widersprechen entschieden: „Die Eigentümerstruktur von Dicembre ist seit Langem geklärt und kann nicht mehr verändert werden.“
Lange Reihe von Rechtsstreitigkeiten
Der Schritt von Margherita Agnelli verlängert eine langjährige Reihe von Rechtsstreitigkeiten zwischen Mutter und Sohn. Bereits 2004 hatte sie die Familiengruppe nach Vergleichen verlassen, die sie selbst angestrebt hatte. Nun bringt sie den Steuerfall erneut vor Gericht. Im Mittelpunkt des Strafverfahrens in Turin steht der Vorwurf, dass Marella Caracciolo, die Witwe von Gianni Agnelli, vor ihrem Tod 2019 tatsächlich in Italien und nicht in der Schweiz ansässig war. Die Staatsanwaltschaft prüft daher, ob Elkann und seine Geschwister Steuern hinterzogen haben.
Elkann ist nicht nur Aufsichtsratschef von Stellantis, sondern auch von Ferrari und Vorstandschef der Holdinggesellschaft Exor. Der Ausgang des Verfahrens könnte weitreichende Folgen für die Kontrolle über das Familienimperium haben.



