Ermittler haben die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung durchsucht. Hintergrund sind sogenannte Cum-Cum-Geschäfte der Tochtergesellschaft Postbank, bei denen dem Fiskus ein geschätzter Schaden von 28 Milliarden Euro entstanden sein soll. Dies berichteten „Business Insider“ und „Welt“ übereinstimmend.
Details der Durchsuchung
Beamte der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung waren am Morgen in der Konzernzentrale im Frankfurter Bankenviertel im Einsatz. Die Deutsche Bank äußerte sich bisher nicht zu den Vorgängen. Nach Informationen der Ermittler geht es um fragwürdige Steuergeschäfte der Postbank zwischen 2008 und 2010, die inzwischen zum Deutsche-Bank-Konzern gehört.
Erst in der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Razzia in einer Filiale der Deutschen Bank an der Frankfurter Taunusanlage bestätigt, sich zu den genauen Hintergründen aber nicht geäußert. Die jetzige Aktion scheint Teil einer erweiterten Untersuchung zu sein.
Was sind Cum-Cum-Geschäfte?
Cum-Cum-Geschäfte sind ein Steuertrick mit Aktien, bei dem ausländische Investoren ihre Wertpapiere kurz vor dem Ausschüttungstag an eine Bank in Deutschland übertragen. Ziel ist es, die deutsche Dividendensteuer zu umgehen. Da ausländische Anleger diese Steuer im Gegensatz zu inländischen Banken nicht vom Finanzamt zurückfordern können, nutzen beide Parteien diese Ungleichbehandlung gezielt aus: Die Bank kassiert die Dividende samt Steuererstattung am Stichtag offiziell ein, transferiert die Aktien kurz darauf zurück und teilt den unberechtigten Steuerprofit anschließend mit dem ausländischen Partner.
Der Gesetzgeber hat den Cum-Cum-Trick im Jahr 2016 durch strengere Mindesthaltedauern für Aktien weitgehend blockiert. Dennoch fordern immer mehr Finanzämter und Gerichte die erschlichenen Gelder rückwirkend von den beteiligten Banken zurück.
Auswirkungen und Reaktionen
Der mutmaßliche Steuerschaden von 28 Milliarden Euro ist einer der größten in der deutschen Finanzgeschichte. Die Deutsche Bank steht bereits seit Jahren wegen verschiedener Skandale unter Beobachtung. Die Razzia dürfte das Vertrauen in das Institut weiter erschüttern und könnte zu erheblichen finanziellen Forderungen führen.
Branchenexperten erwarten, dass die Ermittlungen auf weitere Banken ausgeweitet werden könnten, die ähnliche Cum-Cum-Geschäfte betrieben haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat bislang keine weiteren Details genannt.



