Während verheerende Waldbrände in mehreren europäischen Ländern wüten, haben deutsche Urlauber in Apulien (Italien) selbst Hand angelegt. Sina S. (49) berichtete der Bild, wie sie gemeinsam mit Begleitern die letzten Glutnester mit Mülleimern und Wasser aus dem Pool löschte. „Jeder nimmt sich jetzt einen Mülleimer und Wasser aus dem Pool, und wir löschen das jetzt“, wies sie ihre Gruppe an. Zuvor war die Feuerwehr mit fünf Löschfahrzeugen angerückt, um die Flammen nahe ihres Ferienhauses zu bekämpfen. Nachdem die Einsatzkräfte abgezogen waren, schritten die Urlauber ein, um ein Wiederaufflammen zu verhindern.
Feuerwalzen rollen durch Europa
Dürre, Hitze und heftige Winde begünstigen derzeit die schlimmsten Waldbrände in Teilen Europas. Besonders betroffen sind Italien, Frankreich, Spanien und Wales. Auf Sizilien facht der heiße Wüstenwind Scirocco die Glut immer wieder an. Die Feuerwehr ist an Dutzenden Orten im Einsatz, mehrere Straßen sind blockiert. In der Gemeinde Santo Stefano im Hinterland von Palermo wurden über 100 Menschen in Sicherheit gebracht. In Palermo selbst fiel in der Nacht mehrfach der Strom aus, dichte Rauchwolken hingen über mehreren Vierteln.
Spanien: Schlimmster Waldbrand der Geschichte in Kastilien-La Mancha
Der Regierungschef von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page (58), bezeichnete die Situation als schlimmsten Waldbrand der Geschichte. Der Brand erstreckt sich über einen Umkreis von 120 Kilometern mit mehreren gleichzeitigen Brandherden. Über 1200 Menschen wurden aus 30 Städten und Dörfern evakuiert. 600 Feuerwehrleute sowie etwa 30 Löschhubschrauber und -flugzeuge kämpfen gegen die Flammen. Bislang wurden keine Häuser zerstört, doch eine angekündigte weitere Hitzewelle droht die Lage zu verschärfen. Im Nordosten Spaniens sind Großbrände mittlerweile eingedämmt, während in Andalusien ein Waldbrand vor einigen Tagen 13 Menschenleben forderte.
Frankreich: Riesiger Waldbrand an der Côte d’Azur
In Südfrankreich wütet ein riesiger Waldbrand nordöstlich von Marseille in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Das Feuer hat sich auf 2500 Hektar ausgebreitet. Die Feuerwehr ist mit 1100 Mann, 350 Fahrzeugen, Löschflugzeugen und Hubschraubern im Einsatz, teilte die Präfektur des Departements Var mit. 30 bis 40 Gebäude wurden beschädigt. Rund 500 evakuierte Bewohner verbrachten die Nacht in Notunterkünften, Hunderte Haushalte sind ohne Strom. Ausgebrochen war der Brand am Dienstagmittag auf einem Feld und hatte sich rasant ausgedehnt, berichtete die Zeitung „Var-Matin“. Selbst im Dutzende Kilometer entfernten Saint-Tropez sind die Rauchwolken sichtbar. Bei der Bekämpfung eines Brandes am Flughafen von Bordeaux kamen zwei Feuerwehrleute ums Leben, die in ihrem Fahrzeug von Flammen eingeschlossen wurden. Auf Korsika zerstörten zwei Brände nach Blitzeinschlägen mehr als 320 Hektar Wald. Präsident Emmanuel Macron sprach von den schlimmsten Waldbränden seit dem Zweiten Weltkrieg und prognostizierte einen harten Sommer.
Großbritannien, Irland und weitere Länder betroffen
Auch Großbritannien leidet unter Dürre und Waldbränden. In Nordwales wurden Dutzende Häuser evakuiert, in den schottischen Highlands Campingplätze. Im Nationalpark Cairngorms brannten dreieinhalb Kilometer Heideland ab. Weitere Brände werden aus Deutschland, Norwegen, der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Griechenland gemeldet.



