Leif-Erik Holm: Der gemäßigte Kandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern
Leif-Erik Holm: AfD-Kandidat mit gemäßigtem Auftreten

Leif-Erik Holm, Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, tritt bei der Landtagswahl mit einem betont zurückhaltenden Auftreten an. Der Bundestagsabgeordnete und langjährige Landesvorsitzende könnte so zur echten Herausforderung für die CDU werden. Bei einem Sommerfest in Schwerin präsentierte er sich als gemäßigter Politiker, der dennoch harte Inhalte vertritt.

Gemäßigter Ton, aber klare Positionen

Holm, verheiratet und Vater von vier Kindern, führt den AfD-Landesverband seit 2013 mit einer kurzen Unterbrechung. In Sitzungswochen pendelt er zwischen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Auf der Bühne in Schwerin sprach er vor rund hundert Besuchern über Themen wie Atomkraft, russisches Gas und Bürokratieabbau. Seine Rhetorik ist weniger polarisierend als die anderer AfD-Spitzenkandidaten, etwa Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt. Dennoch bleibt er der Parteilinie treu: Slogans wie „Werde zum Heimatretter“ und „Abschieben“ sind Teil des Wahlkampfs.

Laut einer aktuellen NDR-Umfrage würden 62 Prozent der Bürger in Mecklenburg-Vorpommern es akzeptieren, wenn Anträge im Landtag nur mit AfD-Stimmen verabschiedet werden. 50 Prozent hätten nichts gegen eine Regierungsbeteiligung der Partei, aber ebenfalls die Hälfte lehnt einen AfD-Ministerpräsidenten ab. Die CDU im Land hält weiter an der Brandmauer fest, doch Holm zeigt sich optimistisch: „Es gibt hier schon Gespräche mit einzelnen CDU-Vertretern, und auf kommunaler Ebene ist die Brandmauer ohnehin sehr porös.“ Sein „klares Ziel“ sei eine Alleinregierung der AfD.

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Holm als Brückenbauer für Koalitionen?

Politikwissenschaftler Oliver Lembcke von der Ruhr-Universität Bochum beobachtet: „Holm wirkt wie ein Überlebenskünstler. Seine Positionen sind eher Weidel-nah, aber er scheint sich nicht am Weidel-Höcke-Netzwerk zu beteiligen.“ Diese Strategie könnte die AfD für Koalitionen mit der CDU attraktiver machen. In Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen bei rund 40 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei etwa 36 Prozent – knapp vor der SPD. Doch Holm betont, die Union sei noch nicht so weit. Er setzt auf eine absolute Mehrheit, um ohne Koalitionspartner regieren zu können.

Holm war früher Radiomoderator, was ihm eine vertraute Stimme verleiht. Bei seinem Auftritt in Schwerin wechselte er ins Plattdeutsche und sorgte für lockere Stimmung. Kritik an der Bundesregierung übt er deutlich: Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz bezeichnete er als „bürokratisches Monstrum“. Auch die Migrationspolitik greift er scharf an. Auf seiner Internetseite behauptet er, die „Massenmigration hält unbegrenzt an“ – obwohl die Zuzugszahlen seit drei Jahren sinken.

Rechtsextreme Bezüge und Verschwörungstheorien

Im AfD-Wahlprogramm für Mecklenburg-Vorpommern findet sich der Satz: Die Landesregierung arbeite darauf hin, „die deutsch geprägte Gesellschaft durch eine multikulturelle Gesellschaft zu ersetzen“. Dies erinnert an die rechtsextreme Verschwörungserzählung vom „Bevölkerungsaustausch“. Holm argumentiert, dass jährlich Menschen in der Größenordnung einer Stadt wie Rostock einwanderten, während mehr Deutsche auswanderten. „Das ist ein Riesenproblem, denn damit geht zunehmend die eigene Kultur und Identität verloren.“ Auf die Frage nach dem NS-Bezug der Parole „Alice für Deutschland“ beim AfD-Parteitag in Riesa antwortet Holm: „Das ist doch witzig. Das ist doch nicht als Übernahme einer Parole zu verstehen, sondern als kreative Replik darauf, dass man so banale Dinge nicht mehr sagen dürfen soll.“

Der Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern führt die AfD nicht als „gesichert rechtsextremistisch“, anders als in anderen ostdeutschen Bundesländern. Dennoch gibt es nationalistisches und völkisches Gedankengut. Holm selbst gibt sich betont bürgerlich: „Ich sehe mich als bürgerlichen, liberalen Konservativen.“ Er sei Mitglied der AfD geworden, als deren Markenkern der Widerstand gegen die Eurorettung war. Die CDU unter Angela Merkel habe diese Werte nicht mehr abgebildet.

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Ausblick auf die Wahl

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern findet im Herbst statt. Holm tritt gemeinsam mit Enrico Schult als Spitzenkandidat an. Sollte die AfD stark abschneiden, könnte Holm als Ministerpräsident vereidigt werden – ein Novum in der Geschichte der Partei. Seine gemäßigte Außendarstellung könnte dabei helfen, die Brandmauer zu durchbrechen. Doch ob die CDU tatsächlich bereit ist, mit der AfD zu koalieren, bleibt fraglich. Holm selbst gibt sich zuversichtlich: „Wenn wir die Politik in den Ländern ändern, dann werden wir sie auch im Bund ändern. Dann wird auch die Brandmauer nicht weiter durchgehalten werden können.“