Steuerberater in Deutschland konzentrieren sich laut einer aktuellen Analyse stärker auf die Abschirmung von Vermögen als auf die Förderung von Spenden. Diese Praxis entzieht dem Staat jährlich Milliardenbeträge, die für gemeinnützige Zwecke hätten verwendet werden können.
Die Prioritäten der Steuerberater
Eine Untersuchung des Deutschen Steuerberaterverbands zeigt, dass rund 70 Prozent der Beratungsleistungen im Bereich der Vermögensstrukturierung auf die Minimierung von Steuerlasten abzielen. Nur 15 Prozent der Mandate betreffen die Optimierung von Spenden oder die Einrichtung von Stiftungen. „Steuerberater sind oft darauf bedacht, das Vermögen ihrer Mandanten vor dem Zugriff des Fiskus zu schützen, anstatt steuerlich begünstigte Spendenmodelle zu empfehlen“, erklärt Dr. Markus Scholz, Steuerrechtsexperte an der Universität Köln.
Milliardenverluste für den Staat
Durch die Fokussierung auf Vermögensabschirmung entgehen dem Fiskus laut einer Schätzung des Bundesfinanzministeriums jährlich rund 3,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Diese Summe könnte durch eine verstärkte Nutzung von Spendenabzügen und gemeinnützigen Stiftungen teilweise kompensiert werden. „Die Steuerberater haben eine Schlüsselrolle bei der Lenkung von privatem Kapital in gemeinnützige Zwecke, aber sie nutzen diese Möglichkeit zu selten“, kritisiert Professorin Anna Weber von der Universität Mannheim.
Gesetzliche Anreize bleiben ungenutzt
Deutschland bietet vielfältige steuerliche Anreize für Spenden und Stiftungen, darunter der Spendenabzug bis zu 20 Prozent des Einkommens und die Möglichkeit, Stiftungen steuerfrei zu errichten. Dennoch werden diese Instrumente laut einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nur von etwa 12 Prozent der Steuerpflichtigen genutzt. „Viele Mandanten sind sich der Vorteile nicht bewusst, weil ihre Berater sie nicht aktiv darauf hinweisen“, so Scholz.
Internationaler Vergleich
Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland bei der Spendenförderung schlecht ab. In den USA beispielsweise beträgt der Anteil der Steuerpflichtigen, die Spenden absetzen, über 30 Prozent. Auch in Großbritannien ist die Quote mit 25 Prozent deutlich höher. „Die deutsche Steuerberatungspraxis hinkt hinterher. Es fehlt an einer Kultur der Spendenförderung“, sagt Weber.
Handlungsbedarf für die Politik
Die Autoren der Analyse fordern eine stärkere Sensibilisierung der Steuerberater für das Thema Spenden. „Es braucht Fortbildungen und vielleicht auch eine Anpassung der Vergütungsstrukturen, damit die Beratung zur Spendenförderung attraktiver wird“, schlägt Scholz vor. Das Bundesfinanzministerium prüft derzeit, ob steuerliche Anreize für Berater geschaffen werden können, die verstärkt auf gemeinnützige Modelle hinweisen.



