Volksbanken: Mitgliederanteil soll bis 2035 auf 75 Prozent steigen
Volksbanken: Mitgliederanteil soll auf 75 Prozent steigen

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hat ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Bis zum Jahr 2035 soll der Anteil der Mitglieder unter den rund 30 Millionen Kunden auf 75 Prozent steigen. Aktuell liegt die Quote bei etwa 58 Prozent. Dies bestätigte der BVR auf Nachfrage und betonte, es handle sich um eine interne Ambition der genossenschaftlichen Finanzgruppe. „Es geht darum, die Vorteile der Mitgliedschaft sichtbarer zu machen und neue Zielgruppen zu erschließen“, erklärte der Verband.

Alleinstellungsmerkmal im deutschen Bankenmarkt

Dass Kunden zugleich Eigentümer der Bank sind und über Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat abstimmen können, ist im umkämpften deutschen Bankenmarkt ein Alleinstellungsmerkmal der Genossenschaftsbanken. Hinzu kommt eine jährliche Dividende auf die gezeichneten Anteile. Lange Zeit überzeugte dieses Modell immer mehr Menschen: Die Mitgliederzahl stieg bis 2018 auf 18,6 Millionen. Seitdem sinkt sie jedoch kontinuierlich – per Ende 2024 auf 17,5 Millionen. Hauptursache sind wegfallende Mitglieder durch Todesfälle, während zu wenige Neuzugänge hinzukommen.

Herausforderungen und Problemfälle

Der Sektor sieht sich zudem mit einer Reihe von Problemfällen konfrontiert. Fünf Banken mussten mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro aus dem gemeinsamen Stützungsfonds gerettet werden. Der Wettbewerb im Bankgeschäft wird immer intensiver, vor allem durch Neobroker und Neobanken wie Trade Republic, Revolut und Scalable Capital, die rasant Kunden gewinnen – darunter viele Jüngere. „Die Auswirkungen sind spürbar: rückläufige Brokerage-Marktanteile, zunehmender Druck auf Einlagen und eine wachsende Bereitschaft von Kunden, Anbieter zu wechseln“, hieß es kürzlich in einem Schreiben des Spitzeninstituts DZ Bank und der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment an die Vorstände der Volks- und Raiffeisenbanken.

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Mehrstufige Strategie zur Mitgliedergewinnung

Der BVR betont, dass es „nicht die eine Mitgliederstrategie“ gebe, sondern mehrere verschiedene Maßnahmen. Man verfolge „eine mehrstufige Strategie zur Stärkung und Weiterentwicklung der Mitgliedschaft“. Unter anderem würden Ideen entwickelt, wie eine Mitgliedschaft besser für junge Zielgruppen greifbar werden könnte. Ein zentrales Element ist die geplante zusätzliche App für den Wertpapierhandel, mit der die Genossenschaftsbanken neue Kunden gewinnen wollen.

Attraktivität von Genossenschaftsanteilen

In Zeiten der Negativzinsphase galten Genossenschaftsanteile als attraktive Anlage. Von 2017 bis 2022 schütteten die Geldhäuser durchschnittlich 2,6 bis 4,2 Prozent Dividende aus, während es auf Einlagen bei deutschen Banken und Sparkassen keine Verzinsung gab oder sogar Strafzinsen fällig wurden. Inzwischen bieten Direktbanken wieder attraktive Tagesgeldzinsen, zeitweise bis zu vier Prozent. Dennoch werben viele Genossenschaftsbanken verstärkt um neue Mitglieder und haben die maximalen Anlagebeträge teils deutlich erhöht – üblich sind vierstellige Summen oder bis zu 10.000 Euro. Die gezeichneten Anteile zählen zum wichtigen harten Kernkapital der Geldhäuser und dienen der Kundenbindung.

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