Deutsche Börse nach Rekordgewinn: Komplettübernahme von ISS Stoxx trotz US-Drucks
Deutsche Börse übernimmt ISS Stoxx komplett nach Rekordgewinn

Deutsche Börse schließt Milliardendeal nach historischem Gewinnjahr ab

Die Deutsche Börse hat im Geschäftsjahr 2025 einen bemerkenswerten Rekordgewinn erwirtschaftet und setzt nun mit einem weiteren Milliardendeal auf kontinuierliches Wachstum. Der Dax-Konzern aus Frankfurt am Main kündigte die vollständige Übernahme des Daten- und Indexanbieters ISS Stoxx für 1,1 Milliarden Euro an. Dies erfolgt, obwohl das Unternehmen in den Vereinigten Staaten unter der Regierung von Präsident Donald Trump mit politischem Widerstand konfrontiert ist.

Komplettübernahme trotz politischer Herausforderungen

Bereits im Besitz von 80 Prozent der Anteile an ISS Stoxx, erwirbt die Deutsche Börse die verbleibenden 20 Prozent vom Finanzinvestor General Atlantic. Der Abschluss dieser Transaktion ist für Ende März vorgesehen. Ursprünglich hatte der Konzern einen Börsengang von ISS Stoxx in Betracht gezogen, doch dieser Plan wurde zugunsten der Komplettübernahme verworfen.

ISS Stoxx ist ein bedeutender Anbieter von Börsenindizes, Analysen und Nachhaltigkeitslösungen, die besonders für Indexfonds (ETFs) relevant sind. Stephan Leithner, Vorstandschef der Deutschen Börse, betonte bei der Präsentation der Jahreszahlen: „45 Prozent des europäischen ETF-Wachstums basierte auf unseren STOXX-Indizes.“ Diese Indizes sind auch bei Privatanlegern über Sparpläne äußerst beliebt.

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Politische Spannungen in den USA beeinflussen Geschäft

Allerdings steht ISS Stoxx in den USA unter erheblichem Druck. Präsident Trump lehnt Nachhaltigkeits- und Diversitätsregeln (ESG) entschieden ab und betrachtet die Arbeit von Stimmrechtsberatern wie ISS als ideologische Einmischung in amerikanische Unternehmen. Diese politische Haltung hat bereits konkrete Auswirkungen: Der Vermögensverwalter der US-Bank J.P. Morgan hat kürzlich die Zusammenarbeit mit Stimmrechtsberatern eingestellt, und in Texas gibt es gesetzliche Beschränkungen gegen ESG-Kriterien bei Stimmrechtsentscheidungen.

Finanzvorstand Jens Schulte räumte ein, dass der politische Druck ein Grund dafür sei, dass das Geschäft mit Stimmrechtsberatung im Jahr 2025 nur verhalten gewachsen sei. Dennoch zeigte sich Leithner überzeugt: „ISS arbeitet eng mit Behörden in den USA zusammen. Wir sind überzeugt, dass Stimmrechtsberatung langfristig wichtig bleibt.“

Strategische Übernahmen zur Diversifizierung

Die Übernahme von ISS Stoxx markiert den zweiten großen Deal der Deutschen Börse innerhalb weniger Wochen. Erst im Januar hatte der Konzern angekündigt, die Fondsplattform Allfunds für rund 5,3 Milliarden Euro erwerben zu wollen. Dies wäre die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte. Leithner kommentierte: „Mit der Übernahme von Allfunds schaffen wir einen europäischen Investmentfonds-Champion.“

Seit Jahren verfolgt die Deutsche Börse eine Strategie der Übernahmen, um unabhängiger von Börsenschwankungen zu werden. Allerdings stehen für den Allfunds-Deal noch hohe Hürden an, insbesondere Genehmigungen von Wettbewerbshütern der EU-Kommission. Der Vollzug dieser Übernahme wird erst für das Jahr 2027 erwartet.

Rekordgewinn und Dividendensteigerung trotz Aktienkursrückgang

Im vergangenen Jahr erzielte die Deutsche Börse dank strategischer Zukäufe und eines robusten Geschäftsbetriebs einen Rekordgewinn von 2,1 Milliarden Euro, was einem Anstieg von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Trotz dieses Erfolgs mussten Aktionäre zuletzt einen Kurseinbruch der Aktie verkraften, da Investoren aufgrund des Booms um Künstliche Intelligenz zunehmende Konkurrenz fürchten.

Um die Aktionäre zu entschädigen, plant der Konzern eine Erhöhung der Dividende um 20 Cent auf 4,20 Euro je Aktie. Diese Maßnahme unterstreicht das Vertrauen der Unternehmensführung in die langfristige Wachstumsstrategie, auch angesichts der aktuellen politischen und marktbezogenen Herausforderungen.

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