Der Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges hat die Inflation in der Eurozone im April deutlich ansteigen lassen. Wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,0 Prozent. Dies geht aus einer ersten Schätzung hervor. Haupttreiber der Teuerung ist Energie, die sich im April um satte 10,9 Prozent verteuerte. Bereits im März war die Inflationsrate auf 2,6 Prozent gestiegen.
EZB unter Druck
Der Preisschub setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck. Sie strebt mittelfristig eine Jahresteuerung von zwei Prozent an. Heute um 14.15 Uhr gibt die EZB ihre Zinsentscheidung bekannt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat mehrfach betont, dass die Zentralbank bereit sei zu handeln, wenn die Lage es erfordere.
Experten gehen jedoch davon aus, dass die EZB den für Sparer und Banken wichtigen Einlagenzins zunächst bei 2,0 Prozent belässt. Sie wolle weitere Daten abwarten, um sich einen besseren Überblick über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu verschaffen, so die Einschätzung.
Experten warnen vor falscher Sicherheit
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer analysierte, dass die Inflation ohne die stark gestiegenen Energiepreise im April zwar gefallen sei. „Aber die EZB sollte sich nicht in falsche Sicherheit wiegen“, warnte er. Umfragen zeigten, dass Unternehmen die höheren Energiepreise rasch an die Verbraucher weitergeben würden. „Die EZB wird nicht um eine Zinserhöhung herumkommen, auch wenn sie sie wohl erst auf der Sitzung im Juni beschließen dürfte.“
Der Inflationsschub wegen des Iran-Kriegs alarmiert die EZB. Die Entwicklungen im Nahen Osten lassen die Preise in der Eurozone kräftig steigen. Die Zentralbank steht vor der Herausforderung, die Preisstabilität zu wahren, ohne das Wirtschaftswachstum zu stark zu bremsen. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich die Lage weiterentwickelt und ob die EZB ihre Geldpolitik anpassen muss.



