Anlegerschützer kritisieren Dax-Konzerne: Zu viele virtuelle Hauptversammlungen
Kritik an Dax-Konzernen: Zu viele virtuelle Hauptversammlungen

Anlegerschützer fordern Wandel bei Dax-Hauptversammlungen

Der Anlegerschutzverein DSW übt scharfe Kritik an der anhaltenden Praxis vieler Dax-Unternehmen, ihre Hauptversammlungen auch Jahre nach der Corona-Pandemie ausschließlich im Internet abzuhalten. Während mittlere und kleinere Unternehmen überwiegend zur traditionellen Präsenzveranstaltung zurückgekehrt seien, bleibe die Mehrheit der deutschen Börsenoberliga bei rein virtuellen Formaten. Diese Entwicklung sehen Anlegerschützer als problematische Einschränkung der Aktionärsrechte.

Deutschland als europäischer Sonderweg

Vincent Kaufmann, Direktor der Schweizer Ethos-Stiftung, betont: „Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem mehrere Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie rein virtuelle Hauptversammlungen abhalten.“ Die während der Pandemie eingeführte Möglichkeit zur Online-Durchführung sollte ursprünglich Ansteckungen verhindern, hat sich aber bei vielen Dax-Konzernen als Dauerlösung etabliert. Ein hybrides Format, das sowohl physische als auch virtuelle Teilnahme ermöglicht, würde Aktionären die Wahlfreiheit und den direkten Austausch mit dem Vorstand gewähren.

Rückgang der Aktionärsbeteiligung

Die DSW verweist auf besorgniserregende Zahlen: Die Präsenz von Aktionären in virtuellen Hauptversammlungen sei seit 2023 kontinuierlich gesunken. Christiane Hölz, Geschäftsführerin der DSW, erklärt: „Das widerspricht der häufig geäußerten These, digitale Formate seien für Aktionäre attraktiver. Tatsächlich zeigen die Zahlen, dass viele Anteilseigner mit dem virtuellen Format fremdeln.“ Im Jahr 2025 nutzten laut DSW etwa zwei Drittel der Dax-Unternehmen ausschließlich Online-Hauptversammlungen, was den Konzernen Kosten erspart und potenzielle Konflikte mit kritischen Kleinaktionären reduziert.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Breite Unterstützung für Forderungen

Vor der anstehenden Hauptversammlungssaison im Frühjahr fordern die DSW und die Ethos-Stiftung gemeinsam mit dem Netzwerk Shareholders for Change und dem europäischen Verband Better Finance von betroffenen Konzernen mehr Präsenz- oder Hybridveranstaltungen. Die Unterzeichner dieser Kampagne verwalten ein Vermögen von insgesamt 468 Milliarden Euro und setzen sich damit für eine stärkere Einbindung der Aktionäre ein. Die Investorengruppe betont, dass das rein virtuelle Format in anderen europäischen Ländern kaum Verwendung findet und Deutschland hier einen isolierten Weg beschreitet.

Langfristige Auswirkungen auf Aktionärsrechte

Anlegerschützer kritisieren Online-Hauptversammlungen bereits seit längerer Zeit, da sie darin eine Beschneidung grundlegender Aktionärsrechte sehen. Die Möglichkeit zur direkten Intervention, zur persönlichen Befragung des Managements und zum physischen Netzwerken bleibe in virtuellen Settings eingeschränkt. Die DSW warnt davor, dass die anhaltende Praxis der Dax-Konzerne das Vertrauen der Anleger untergraben und die Corporate Governance schwächen könnte. Die Forderung nach einer Rückkehr zu Präsenz- oder Hybridformaten zielt daher nicht nur auf kurzfristige Verbesserungen, sondern auf die langfristige Stärkung der Aktionärsdemokratie in Deutschland.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration