Milliarden-Wette in Fernost: BASF eröffnet Mega-Werk in China trotz deutscher Krise
BASF eröffnet Milliarden-Werk in China trotz deutscher Krise

Milliarden-Wette in Fernost: BASF eröffnet Mega-Werk in China

Der deutsche Chemieriese BASF geht eine gewaltige finanzielle Wette ein. Im südchinesischen Zhanjiang hat das Unternehmen sein neues Mega-Werk offiziell eröffnet – mit Investitionskosten von sagenhaften 8,7 Milliarden Euro. Es handelt sich dabei um die größte Einzelinvestition in der gesamten Firmengeschichte des Ludwigshafener Konzerns.

Deutschland in der Krise, China als Hoffnungsträger

Hinter diesem monumentalen Projekt steckt weit mehr als nur einfaches Wachstumsstreben. Während in Fernost investiert wird, steckt das traditionsreiche Stammwerk in Ludwigshafen tief in einer strukturellen Krise. Das Deutschlandgeschäft von BASF verzeichnete zuletzt Verluste in Milliardenhöhe. Gleichzeitig stehen hohe Investitionen für die Umstellung auf klimafreundliche Produktion an – Mittel, die der Konzern aus eigener Kraft in Deutschland kaum erwirtschaften kann.

Die strategische Hoffnung liegt deshalb voll und ganz auf dem chinesischen Markt. Inzwischen entsteht rund die Hälfte der weltweiten Chemie-Nachfrage in der Volksrepublik. Dennoch stammen bisher nur etwa 14 Prozent des BASF-Gesamtumsatzes aus China. Mit dem neuen Mega-Werk in Zhanjiang soll sich dieses Verhältnis grundlegend ändern.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Strategische Ausrichtung und wirtschaftliche Herausforderungen

Mit dem neuen Standort will BASF insbesondere den Süden Chinas besser bedienen und stärker vom Wachstum der Petrochemie profitieren. Vorstandschef Markus Kamieth betonte bei der feierlichen Eröffnung, dass der Standort zeige, wie globale Kooperation auch in einer zunehmend fragmentierten Welt die besten Ergebnisse erziele.

Doch der Zeitpunkt für diese Milliarden-Investition ist heikel. Seit der ursprünglichen Ankündigung des Projekts im Jahr 2018 hat sich die wirtschaftliche Lage in China deutlich verändert. Die Wirtschaft wächst nicht mehr mit dem früheren Tempo, und der Wettbewerb hat sich erheblich verschärft. In vielen Branchen herrscht ein aggressiver Preiskampf, der die Gewinnmargen der Unternehmen massiv unter Druck setzt.

Kamieth räumte zuletzt ein, dass sich die Milliarden-Investition deutlich langsamer auszahlen werde als ursprünglich geplant. Die Profitabilität werde in den ersten Betriebsjahren spürbar unter den ursprünglichen Erwartungen liegen.

Risiken und Abhängigkeiten

Hinzu kommt der immense Druck im eigenen Unternehmen. BASF befindet sich in einem umfassenden Sparprogramm und hat bereits Tausende Arbeitsplätze abgebaut – auch an deutschen Standorten. Kritiker warnen deshalb vor einer wachsenden strategischen Abhängigkeit von China, das politisch autoritär geführt wird.

Gleichzeitig ist der chinesische Markt für BASF kaum zu ersetzen. Klar ist: Mit dem neuen Werk geht der Konzern eine äußerst riskante Wette ein. Gelingt sie, kann BASF seine Position im wichtigsten Chemie-Markt der Welt nachhaltig ausbauen und stabilisieren. Scheitert sie, droht der Abstand zur internationalen Konkurrenz weiter zu wachsen – mit potenziell schwerwiegenden Folgen für den gesamten Konzern.

Die Eröffnung des Mega-Werks markiert somit einen strategischen Wendepunkt für BASF, bei dem die Zukunft des gesamten Konzerns maßgeblich von den Entwicklungen auf dem chinesischen Markt abhängen wird.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration