Chemieriese BASF verschärft Sparkurs massiv: 4.800 Arbeitsplätze fallen weg
Die anhaltende Krise in der Chemiebranche zwingt den weltgrößten Chemiekonzern BASF zu drastischen Maßnahmen. Wie Vorstandschef Markus Kamieth in Ludwigshafen mitteilte, wird der Kostendruck in der deutschen Chemieindustrie weiterhin extrem hoch bleiben. Der Dax-Konzern habe deshalb seinen Sparkurs deutlich verschärft und arbeite konsequent daran, die Produktivität zu steigern und effizienter zu werden.
Milliardenschwere Kostensenkungen und verschärfte Sparziele
Bis Ende des vergangenen Jahres konnte BASF bereits jährliche Kosteneinsparungen von rund 1,7 Milliarden Euro realisieren – damit wurde das ursprüngliche Ziel um 100 Millionen Euro übertroffen, wie Finanzvorstand Dirk Elvermann berichtete. Doch der Konzern will noch weiter gehen: Bis Ende des laufenden Jahres peilt BASF nun jährliche Kostensenkungen von 2,3 Milliarden Euro an, statt der ursprünglich geplanten 2,1 Milliarden Euro. Die Einmalkosten für diese Maßnahmen bezifferte Elvermann auf 1,9 Milliarden Euro.
Massiver Personalabbau trifft auch Führungsebene
Als Teil der umfassenden Sparprogramme hat BASF zwischen Ende 2023 und Ende 2025 weltweit rund 4.800 Beschäftigte verloren. Etwa die Hälfte dieser Stellenstreichungen entfiel auf Deutschland. Besonders bemerkenswert: Die Zahl der Führungskräfte sank im gleichen Zeitraum um elf Prozent. Ende 2025 beschäftigte BASF damit noch knapp 108.300 Mitarbeiter weltweit – ein deutlicher Rückgang gegenüber früheren Jahren.
Die Investitionspläne wurden ebenfalls massiv zurückgefahren: Für die BASF-Gruppe sind Sachinvestitionen von 13 Milliarden Euro von 2026 bis 2029 geplant – das sind 20 Prozent weniger als ursprünglich avisiert.
Stammwerk Ludwigshafen bleibt Sorgenkind
Das Stammwerk in Ludwigshafen kämpft weiterhin mit erheblichen Herausforderungen. Neben dem allgemeinen Kostendruck und Überkapazitäten am Weltmarkt belasten hohe Energiepreise und eine zu geringe Auslastung den Standort. Vorstandschef Kamieth kündigte zwar keine weiteren größeren Anlagenschließungen an, betonte jedoch, dass der bereits angekündigte Mitarbeiterabbau sich 2026 und im darauffolgenden Jahr fortsetzen werde.
Am Unternehmenssitz arbeiten mit etwa 33.000 Menschen rund ein Drittel der weltweiten BASF-Beschäftigten. Immerhin gelang es Management und Arbeitnehmervertretern, eine Vereinbarung zu erzielen, die betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 ausschließt.
Chinesischer Standort braucht Anlaufzeit
Beim neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang, der mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro jüngst in Betrieb genommen wurde, rechnet Kamieth mit einer längeren Anlaufphase. Im ersten Betriebsjahr werde ein leicht negativer Ergebnisbeitrag erwartet, was vor allem an den Kosten für das Anfahren der Anlagen liege. Ab 2027 soll dann mit einem positiven Beitrag gerechnet werden. Am neuen Standort in China wurden laut BASF etwa 1.000 Menschen eingestellt.
Kontroverse um geplanten Wohnungsverkauf
Der BASF-Chef verteidigte die umstrittenen Pläne des Managements zum Verkauf von 4.400 Wohnungen im Besitz des Unternehmens. Kamieth räumte ein, dass diese Nachricht viele Menschen in der Region Ludwigshafen verunsichert habe. BASF werde jedoch vom künftigen Käufer Zugeständnisse und Garantien erwarten, um der sozialen Verantwortung gegenüber den derzeitigen Mietern gerecht zu werden.
Über die erwarteten Einnahmen aus dem Immobiliengeschäft machte der Manager keine konkreten Angaben. Es gehe aber um Geld, das im Unternehmen an anderer Stelle dringend benötigt werde. Die Verkaufsankündigung hatte scharfe Kritik von Gewerkschaften und Landespolitikern ausgelöst.
Finanzielle Ziele und besondere Erträge
Für das laufende Jahr peilt BASF ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen zwischen 6,2 Milliarden und 7,0 Milliarden Euro an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war dieser Wert zum Vorjahr um 686 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro zurückgegangen.
Der Umsatz bei BASF schrumpfte 2025 um knapp drei Prozent im Jahresvergleich auf knapp 59,7 Milliarden Euro. Trotzdem stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn von 1,3 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Die Dividende soll unverändert bei 2,25 Euro je Anteil liegen.
Neben einem Sonderertrag aus dem Verkauf des Geschäfts mit Baufarben an den US-Konzern Sherwin-Williams profitierte BASF vor allem von einer Zahlung des Bundes aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA. 2025 erhielt BASF laut Finanzchef Elvermann rund 900 Millionen Euro, im ersten Halbjahr 2026 sollen noch weitere etwa 800 Millionen Euro fließen.
Kamieth äußerte sich zwar zufrieden mit den Fortschritten beim Kostensenken und betonte, BASF sei deutlich schlanker geworden. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die chemische Industrie weltweit mit heftigem Gegenwind zu kämpfen habe. Auch im laufenden Jahr rechnet der Manager nicht mit einer kurzfristigen Erholung – 2026 werde voraussichtlich ein weiteres Übergangsjahr.



