BASF verschärft Sparkurs: 4.800 Stellen gestrichen, Investitionen reduziert
Die anhaltende Krise in der Chemiebranche zwingt den weltgrößten Chemiekonzern BASF zu drastischen Sparmaßnahmen. Vorstandschef Markus Kamieth sieht keine schnelle Erholung und bezeichnet das laufende Jahr 2026 als weiteres Übergangsjahr. Der Kostendruck in Deutschland sei besonders hoch, weshalb der Dax-Konzern seine Produktivitätsverbesserungen und Effizienzsteigerungen konsequent vorantreibt.
Milliardenschwere Kostensenkungen übertroffen
Bis Ende 2025 konnte BASF bereits jährliche Kosteneinsparungen von rund 1,7 Milliarden Euro realisieren – 100 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Finanzvorstand Dirk Elvermann kündigte an, dass der Sparkurs weiter verschärft wird: Bis Ende 2026 sollen nun jährliche Einsparungen von 2,3 statt 2,1 Milliarden Euro erreicht werden. Die dafür notwendigen Einmalkosten bezifferte er auf 1,9 Milliarden Euro.
Massiver Personalabbau auch bei Führungskräften
Als Teil der Sparprogramme reduzierte BASF zwischen Ende 2023 und Ende 2025 weltweit 4.800 Stellen. Etwa die Hälfte dieser Stellen entfiel auf Deutschland. Besonders bemerkenswert: Die Zahl der Führungskräfte sank um elf Prozent. Ende 2025 beschäftigte der Konzern noch knapp 108.300 Mitarbeiter weltweit.
Die Investitionspläne wurden ebenfalls deutlich gekürzt: Für die Jahre 2026 bis 2029 plant BASF Sachinvestitionen von nur noch 13 Milliarden Euro – das sind 20 Prozent weniger als ursprünglich vorgesehen.
Stammwerk Ludwigshafen bleibt Sorgenkind
Das Stammwerk in Ludwigshafen kämpft weiterhin mit Kostendruck, Überkapazitäten am Weltmarkt, hohen Energiepreisen und einer zu geringen Auslastung. Kamieth kündigte zwar keine weiteren größeren Anlagenschließungen an, betonte jedoch, dass der Mitarbeiterabbau sich 2026 und 2027 fortsetzen werde. Am Unternehmenssitz arbeiten etwa 33.000 Menschen – rund ein Drittel der weltweiten BASF-Belegschaft.
Immerhin: Management und Arbeitnehmervertreter erzielten eine Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen in Ludwigshafen bis Ende 2028 ausschließt.
Chinesischer Standort braucht Anlaufzeit
Beim neuen Verbundstandort im südchinesischen Zhanjiang, der mit Investitionen von 8,7 Milliarden Euro jüngst in Betrieb genommen wurde, rechnet Kamieth mit einer Anlaufphase. Im ersten Betriebsjahr wird ein leicht negativer Ergebnisbeitrag erwartet, ab 2027 soll der Standort dann positiv beitragen. Rund 1.000 Menschen wurden am neuen chinesischen Standort eingestellt.
Kontroverse um geplanten Wohnungsverkauf
Der geplante Verkauf von 4.400 Wohnungen im Besitz des Unternehmens stößt auf scharfe Kritik von Gewerkschaften und Landespolitik. Kamieth verteidigte die Pläne und betonte, BASF werde vom künftigen Käufer Zugeständnisse und Garantien erwarten, um der sozialen Verantwortung gegenüber den derzeitigen Mietern gerecht zu werden. Über die erwarteten Einnahmen machte der Manager keine Angaben.
Finanzielle Entwicklung und Ausblick
Für 2026 peilt BASF ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 war dieser Wert um 686 Millionen Euro auf 6,6 Milliarden Euro zurückgegangen. Der Umsatz schrumpfte um knapp drei Prozent auf 59,7 Milliarden Euro.
Positiv entwickelte sich der Gewinn: Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn stieg von 1,3 auf 1,6 Milliarden Euro. Die Dividende soll unverändert bei 2,25 Euro je Anteil liegen.
BASF profitierte 2025 von mehreren Sondereffekten:
- Ein Sonderertrag aus dem Verkauf des Baufarbengeschäfts an Sherwin-Williams
- Rund 900 Millionen Euro aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA
- Im ersten Halbjahr 2026 sollen weitere 800 Millionen Euro aus dieser Quelle fließen
Die Trennung von Wintershall Dea bringt dem Konzern somit dringend benötigte Liquidität in schwierigen Zeiten.



