Chemie-Tarifverhandlungen vertagt: Keine Einigung in zweiter Runde
Die bundesweiten Tarifverhandlungen für rund 585.000 Beschäftigte in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie sind auch in der zweiten Verhandlungsrunde ergebnislos geblieben. Die Gespräche zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und dem Bundesarbeitgeberverband der Chemischen Industrie (BAVC) wurden nach einem Treffen in Wiesbaden erneut vertagt. Die nächsten Verhandlungsrunden sind für den 24. und 25. März im rheinland-pfälzischen Bad Breisig angesetzt.
Schwierige Rahmenbedingungen erschweren Einigung
Matthias Bürk, der Verhandlungsführer des BAVC, verwies auf die äußerst schwierige Lage der Chemiebranche. Die Industrie leidet unter mehreren gleichzeitigen Belastungen:
- Hohe Energiepreise, die die Produktionskosten massiv erhöhen
- Konjunkturflaute, die die Nachfrage dämpft
- US-Zölle, die den Export erschweren
- Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, die den Wettbewerbsdruck verstärken
„Anders als über Jahrzehnte gewohnt, gibt es derzeit keine Zuwächse, die wir verteilen können“, erklärte Bürk. Er betonte, dass die Arbeitgeber mit dem Tarifabschluss von 2024 bereits massiv in Vorleistung gegangen seien und nun vor allem die IG BCE Bewegung zeigen müsse.
Gewerkschaft kritisiert Arbeitgeberangebot als unzureichend
Oliver Heinrich, der Verhandlungsführer der IG BCE, kritisierte das Angebot der Arbeitgeber scharf. „Die Arbeitgeber haben ein Angebot vorgelegt, das zu weit von den Sorgen und der Lebensrealität der Beschäftigten entfernt ist“, erklärte er. Die Gewerkschaft kündigte bundesweite Aktionen in den Betrieben an, sollte es keine spürbaren Fortschritte geben.
„Ohne spürbare Fortschritte bei Jobsicherheit und Kaufkraft kann es keinen Abschluss geben“, betonte Heinrich. Die IG BCE verzichtet zwar auf eine konkrete Lohnforderung, pocht aber auf höhere Entgelte über der Inflationsrate und den Erhalt von Arbeitsplätzen in der kriselnden Branche.
Chemieindustrie in der Krise, Pharma wächst
Bereits zum Verhandlungsauftakt in Hannover vor wenigen Wochen lagen die Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern weit auseinander. Die Chemie- und Pharmabranche ist mit einem Umsatz von rund 220 Milliarden Euro im Jahr 2025 die drittgrößte Industriebranche in Deutschland – nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau.
Während die Pharmaindustrie im vergangenen Jahr noch Wachstum verzeichnen konnte, steckt die klassische Chemie seit langem in einer anhaltenden Flaute. Große Konzerne wie BASF und Evonik haben bereits umfangreiche Sparprogramme angekündigt, die teilweise mit Stellenabbau und der Schließung von Produktionsanlagen verbunden sind.
Der aktuelle Tarifvertrag für die Branche läuft Ende Februar aus, was den Druck auf beide Verhandlungsparteien erhöht. Die dritte Verhandlungsrunde im März wird zeigen, ob sich die Positionen annähern können oder ob die Beschäftigten mit weiteren Verzögerungen rechnen müssen.



