Wacker Chemie: Erneut rote Zahlen drohen - Chemieindustrie in schwerster Krise seit Jahrzehnten
Der deutsche Chemiekonzern Wacker steht vor einer weiteren schwierigen Phase. Nach einem hohen Verlust im Jahr 2025 drohen dem Unternehmen in diesem Jahr erneut rote Zahlen. Vorstandschef Christian Hartel und Finanzvorstand Tobias Ohler gaben in München bekannt, dass für 2026 ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen zwischen 550 und 700 Millionen Euro erwartet wird.
Doch ob am Ende ein Nettogewinn übrig bleibt, ist völlig ungewiss. „Es ist noch nicht klar, ob wir eine schwarze Null schaffen“, erklärte Finanzvorstand Ohler. Die Unsicherheit wird durch den Iran-Krieg und dessen mögliche Auswirkungen noch verstärkt, die in der aktuellen Prognose noch gar nicht berücksichtigt sind.
Deutsche Standorte im Verlustbereich
Die Situation ist für Wacker besonders kritisch: Im Jahr 2025 verzeichnete der Konzern einen Nettoverlust von 805 Millionen Euro und rutschte damit tief in die roten Zahlen. Als Konsequenz wollen Vorstand und Aufsichtsrat in diesem Jahr keine Dividende an die Aktionäre ausschütten.
Besonders besorgniserregend ist die Lage an den deutschen Standorten. Nach Angaben von Finanzvorstand Ohler befinden sich alle deutschen Produktionsstätten, einschließlich des großen Stammwerks im oberbayerischen Burghausen, „im Verlust“. „Die chemische Industrie ist 2025 unter enormen Druck geraten“, betonte Vorstandschef Hartel.
Drei große Herausforderungen gleichzeitig
Die deutsche Chemieindustrie kämpft derzeit mit drei massiven Problemen gleichzeitig: hohen Kosten im Inland, starker chinesischer Konkurrenz und einer weltweit schwachen Nachfrage. Die hohen Energiekosten in Deutschland stellen nach Aussage der Manager einen schweren Wettbewerbsnachteil dar.
Gleichzeitig hat die chinesische Chemieindustrie große Überkapazitäten aufgebaut, was zu fallenden Preisen für chemische Erzeugnisse auf dem Weltmarkt führt. „Wir sehen momentan keine Trendwende“, sagte Hartel – und bezog sich damit nicht nur auf Wacker, sondern auf die gesamte Chemiebranche.
Geschäftsbereiche unter Druck
Wacker ist nach eigenen Angaben führender Hersteller von hochreinem Polysilizium, dem Grundmaterial für Computerchips. Weitere wichtige Geschäftsbereiche sind Silikone, aus denen unter anderem Harze und Öle hergestellt werden, sowie Polymere für die Produktion von Lacken oder Klebstoffen.
Beide Bereiche entwickelten sich in der Vergangenheit schlecht. Selbst das nach wie vor gut laufende Geschäft mit den Chipherstellern konnte diese Verluste nicht ausgleichen – ebenso wenig wie die kleine Biotechnologie-Sparte des Unternehmens.
Sparprogramm und Stellenabbau geplant
Um gegen die Krise anzusteuern, plant der Wacker-Vorstand ein umfassendes Sparprogramm. Ein zentraler Bestandteil ist der Abbau von 1.500 Stellen weltweit, wovon der Großteil in Deutschland betroffen sein wird. Derzeit laufen noch die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die konkrete Umsetzung.
Vorstandschef Hartel appellierte an die Arbeitnehmervertreter, schnell zu einer Einigung zu kommen: „Je länger wir warten, desto umfangreicher werden die Einschnitte werden.“ Ende 2025 beschäftigte Wacker weltweit noch 16.000 Menschen. Das geplante Sparprogramm stellt somit einen erheblichen Eingriff in die Unternehmensstruktur dar.
Die aktuelle Krise bei Wacker Chemie spiegelt die schwierige Lage der gesamten deutschen Chemieindustrie wider, die sich in der schwierigsten Phase seit Jahrzehnten befindet. Die Kombination aus strukturellen Problemen und konjunkturellen Schwächen stellt die Branche vor enorme Herausforderungen, deren Bewältigung Zeit und tiefgreifende Veränderungen erfordern wird.



