35 Grad im Büro: Klimaanpassung als finanzielle Chance nutzen
35 Grad im Büro: Klimaanpassung als Chance nutzen

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass wir den Klimawandel nicht nur verlangsamen, sondern uns auch anpassen müssen. Die Zahl der Hitzetage in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verdreifacht, und jeder Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft 431 Millionen Euro, wie das Institut Prognos 2025 für das Bundeswirtschaftsministerium berechnet hat. In meinem Finanztip-Büro unterm Dach wurden in der vergangenen Woche 35 Grad gemessen – ein Symbol für die Dringlichkeit, jetzt zu handeln.

Klimaschutz und Anpassung: zwei Seiten einer Medaille

Früher ging es in der Klimadebatte vor allem darum, die Erwärmung zu bremsen. Heute erleben wir, dass wir gleichzeitig die Folgen des Klimawandels bewältigen müssen. Die Temperaturen in Europa steigen sogar schneller als im globalen Durchschnitt. Friederike Otto, Klimaprofessorin am Imperial College London, hat mit ihrem Team vom Netzwerk World Weather Attribution lineare Zusammenhänge zwischen globaler Erwärmung und vermehrten Hitze- und Dürrekatastrophen nachgewiesen. Diese Forschungsergebnisse werden genutzt, um Energiekonzerne vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen.

Beides – Klimaschutz und Anpassung – sind ökonomische Herausforderungen, aber auch Chancen. Deutschland hat mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einst eine Vorreiterrolle eingenommen, das über 100-mal international kopiert wurde. Doch die aktuelle Politik in Berlin diskutiert nur noch über die Kosten des EEG, nicht über seine Erfolge. Jetzt soll die Einspeisevergütung sogar komplett abgeschafft werden. Im Bau- und Verkehrssektor hinkt Deutschland hinterher, und die schwarz-rote Regierung unter Friedrich Merz will keine Konsequenzen aus den verfehlten Klimazielen ziehen.

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Die Einschläge kommen näher: Handeln ist nötig

Der aktuelle Sommer zeigt: Wir müssen uns um beides parallel kümmern. Wladimir Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Irankrieg von US-Präsident Donald Trump haben die Abhängigkeit von fossilen Energien deutlich gemacht. Grüne Energie sei Freiheitsenergie, sagte ein Bundesfinanzminister von der FDP damals. Doch die deutsche Politik tut sich schwer, diese Vorlagen zu nutzen. Die internationale Energieagentur war in ihren Vorschlägen kreativer als Politik und Industrie.

Die Regierung hat sich ein Mandat geben lassen, 500 Milliarden Euro zusätzlich für die Modernisierung der Infrastruktur auszugeben. Dieses Geld sollte nicht für Flatterbänder auf Autobahnen verwendet werden, sondern für die ökologische Umgestaltung von Städten. Technisch ist vieles möglich: Helle Straßenbeläge in den USA, spezielle Armbänder für gefährdete Berufsgruppen in Madrid, oder Sicherheitsanrufe für ältere Menschen in Paris und Dänemark.

Finanzielle Konsequenzen für Ihren Geldbeutel

Die doppelte Herausforderung hat direkte Auswirkungen auf Ihre Finanzen. Beginnen Sie mit einfachen Maßnahmen am eigenen Haus: Stellen Sie die Heizkurve ein, lassen Sie einen hydraulischen Abgleich durchführen und dämmen Sie Heizungsrohre. Das spart oft mehrere Hundert Euro im Jahr. Gegen Hitze helfen außen liegende Verschattung, richtiges Lüften und gedämmte Schwachstellen. Je weniger Energie Ihr Haus benötigt, desto kleiner und günstiger kann später die neue Heizung ausfallen. Für größere Maßnahmen gibt es Steuerbonus oder Heizungsförderung – prüfen Sie, was jetzt möglich ist.

Ähnliche Überlegungen gelten fürs Auto: Brauchen Sie den Zweitwagen überhaupt? Wenn ja, setzen Sie auf Elektro. Auf dem Land ist die Chance für eine eigene Solaranlage groß – Sie können sogar den Auto-Akku als Stromspeicher für Ihr Zuhause nutzen. Die finanzielle Bilanz ist meist unschlagbar. Ihre Solaranlage sollten Sie wegen des drohenden Endes der Einspeisevergütung noch dieses Jahr in Betrieb nehmen, gleich mit einem preiswerten Speicher.

Strom vom Nachbarn und nachhaltige Geldanlage

Seit dem 1. Juni ist es theoretisch möglich, Solarstrom direkt mit Nachbarn zu teilen. Die praktische Umsetzung dauert noch, und hohe Netzgebühren schmälern den finanziellen Vorteil. Aber die Idee ist zukunftsweisend: Aus Ihrem Haus kann ein Energielieferant werden.

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Als Geldanleger können Sie in nachhaltige ETFs investieren. Diese sind günstig, streuen das Risiko weltweit und schließen besonders dreckige Unternehmen aus. Die Renditen unterscheiden sich kaum von klassischen ETFs – das bessere Gewissen gibt es obenauf. Streng ökologisch gemanagte Fonds haben oft hohe Gebühren und Klumpenrisiken, daher empfehle ich den Mittelweg der nachhaltigen ETFs.

Die Debatte muss geführt werden

Ich selbst überlege, mit unserem Bürovermieter über Hitzeschutz zu sprechen. Wir haben 13 Balkone – da muss eine Balkon-Solaranlage möglich sein, um die Temperaturen unter 35 Grad zu halten. Die Bürger machen schon vieles möglich: In manchen Kleinstädten hängen Solaranlagen über dem Gartenzaun. Jetzt ist die Politik am Zug.