Marodes Atommülllager Asse: Start der Bergung verzögert sich erneut
Die gesetzlich vorgeschriebene Bergung der 126.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen aus dem maroden Atommülllager Asse ist erneut ins Stocken geraten. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat bekannt gegeben, dass der bisher avisierte Starttermin für die Rückholung nicht mehr haltbar ist und aktuell kein neuer Zeitplan genannt werden kann.
Kein Zeitplan mehr für die Rückholung
„Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten im Gesamtsystem, dass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden kann“, erklärte Dagmar Dehmer, Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit Sitz in Peine. Bisher war die Rückholung der radioaktiven Abfälle ab dem Jahr 2033 geplant gewesen. Diese Planung gilt nun als überholt.
Über den geplatzten Starttermin hatte zunächst die Braunschweiger Zeitung berichtet. Seit einigen Wochen kursieren bereits Meldungen, dass es keinen konkreten Zeitplan mehr für die Rückholung gebe. Umplanungen im Ablauf seien ein wesentlicher Grund dafür, dass aktuell kein Gesamtplan vorgelegt werden könne, so die BGE-Sprecherin weiter.
126.000 radioaktive Fässer in instabiler Schachtanlage
In der Schachtanlage Asse im Landkreis Wolfenbüttel lagern in 13 Kammern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Diese wurden in den 1960er und 1970er Jahren dort eingelagert. Da die Asse als instabil gilt, besteht der gesetzliche Auftrag, die Fässer zurückzuholen und die Anlage unverzüglich stillzulegen. Zuständig für diese komplexe Aufgabe ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung.
Die BGE hatte im Jahr 2020 einen Plan vorgelegt, der den Beginn der Rückholung für das Jahr 2033 vorsah. Allein die Kosten bis zum Start der Bergungsarbeiten wurden damals mit mehr als drei Milliarden Euro kalkuliert. Dieses Konzept von 2020 sei jedoch an vielen Stellen nicht planungsuntersetzt gewesen, wie die BGE nun einräumt.
Alte Planungen als überholt eingestuft
Der frühere Plan habe grobe Zeitabschätzungen angenommen, die inzwischen überholt seien und sich teilweise als deutlich zu niedrig angesetzt herausgestellt hätten. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung will im April weitere Informationen zum aktuellen Planungsstand geben. Bis dahin bleibt unklar, wann mit der Bergung der radioaktiven Abfälle begonnen werden kann.
Die Situation verdeutlicht die enormen Herausforderungen bei der Rückholung von Atommüll aus alten Lagerstätten. Trotz des klaren gesetzlichen Auftrags zur Stilllegung der Asse und der Bergung der Fässer scheint die praktische Umsetzung weiterhin von erheblichen Unsicherheiten geprägt zu sein.



