Bayerns ehrgeiziger Plan: Aus AKW-Ruine Gundremmingen wird erstes Kernfusionskraftwerk
Aus AKW-Ruine wird erstes Kernfusionskraftwerk in Bayern

Bayerns ehrgeiziger Plan: Aus AKW-Ruine wird erstes Kernfusionskraftwerk

In einem bemerkenswerten energiepolitischen Vorstoß hat Bayern konkrete Pläne für die Errichtung von Kernfusionskraftwerken vorgestellt. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verkündete am Donnerstag in München, dass der Freistaat innerhalb der nächsten sechs Jahre erstmals Strom aus Kernfusion erzeugen will. Dazu hat die bayerische Regierung ein Bündnis aus Wissenschaftlern und Unternehmen zusammengebracht, das die ersten funktionsfähigen Fusionsreaktoren in Deutschland errichten soll.

Zwei Reaktoren mit unterschiedlichen Aufgaben

„Wir wollen zwei Reaktoren“, erklärte Söder bei der Präsentation der Pläne. Der erste Demonstrationsreaktor mit dem Namen „Alpha“ soll auf dem Gelände des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching bei München entstehen. Der Betriebsbeginn ist für das Jahr 2032 vorgesehen. Dieser Reaktor dient primär dem Nachweis der technologischen Machbarkeit.

Der zweite, kommerziell betriebene Reaktor soll folgen, sobald „Alpha“ erfolgreich demonstriert hat, dass die Kernfusionstechnologie zuverlässig funktioniert. Als Standort ist das Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks Gundremmingen in Bayern vorgesehen. Dort wurde bis Dezember 2021 noch Strom durch Kernspaltung erzeugt, gegenwärtig befindet sich die Anlage im Rückbau.

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Münchner Unternehmen als Konstrukteur

Mit der Konstruktion der beiden Anlagen wurde das Münchner Unternehmen Proxima Fusion beauftragt. Dessen Chef Francesco Sciortino (33) zeigte sich zuversichtlich: „Wir schaffen es in den nächsten sechs, sieben Jahren, Alpha fertigzustellen.“ Das Unternehmen bringt neben technologischem Know-how auch erhebliches Eigenkapital in das Projekt ein.

Die Kosten für das ambitionierte Vorhaben sind allerdings enorm. Geschätzt werden insgesamt 2 Milliarden Euro. Der Freistaat Bayern hat bereits zugesagt, 400 Millionen Euro bereitzustellen. Von der Bundesregierung erhoffen sich Söder und Proxima Fusion eine Förderung in Höhe von 1 Milliarde Euro. Weitere 450 Millionen Euro stammen aus dem Kapital von Proxima Fusion.

RWE stellt Infrastruktur bereit

Für den kommerziellen Reaktor in Gundremmingen wird der Energie-Konzern RWE das Gelände und die notwendige Infrastruktur bereitstellen. Markus Krebber, Vorstandsvorsitzender von RWE, erklärte: „Wir müssen unsere Pläne für den Rückbau ändern in den Aufbau. Wir haben einen klaren Fahrplan, das ist ambitioniert, aber machbar.“

Krebber zeigte sich überzeugt von den wirtschaftlichen Perspektiven: „Wenn Alpha funktioniert, mache ich mir um die Finanzierung des kommerziellen Reaktors keine Gedanken. Unser Ziel ist, Deutschland zum führenden Innovationsort für Kernfusion zu machen.“

Politische und wirtschaftliche Bedeutung

Trotz der milliardenschweren Investitionen zeigt sich die bayerische Politik äußerst zuversichtlich. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) betonte die energiepolitische Dimension: „Das ist unsere Antwort auf den Ausstieg aus der Kernspaltung: der Einstieg in die Kernfusion.“

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) verwies auf die wirtschaftlichen Chancen: „Wir werden hier tausende Arbeitsplätze schaffen und eine starke wirtschaftliche Entwicklung in Gang setzen.“

Deutschland im internationalen Wettbewerb

Bayern ist mit seinen Plänen zur Kernfusion nicht allein. Auf dem Gelände des früheren Kraftwerks Biblis in Hessen plant das Darmstädter Unternehmen Focused Energy ebenfalls eine Anlage zur Kernfusion. Auch in den USA werden derzeit Fusionskraftwerke geplant, was den internationalen Wettbewerb um diese Zukunftstechnologie unterstreicht.

Die bayerische Initiative markiert damit einen bedeutenden Schritt in der deutschen Energiepolitik. Sollten die Pläne erfolgreich umgesetzt werden, könnte aus der ehemaligen AKW-Ruine in Gundremmingen tatsächlich das erste kommerzielle Kernfusionskraftwerk Deutschlands entstehen – ein symbolträchtiger Übergang von der alten zur neuen Kerntechnologie.

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