Bayerns Zwei-Milliarden-Fusionsreaktor: Startschuss für Energie-Revolution
Die Kernfusion gilt als potenzieller Energielieferant der Zukunft, doch bisher blieb dies oft Theorie. Im globalen Wettrennen um diese Technologie setzt Deutschland nun ein deutliches Ausrufezeichen. In Bayern startet ein ambitioniertes Projekt, das die kommerzielle Nutzung der Kernfusion vorantreiben soll.
Forschungsreaktor "Alpha" in Garching geplant
Bis Anfang der 2030er Jahre soll in Garching bei München für rund zwei Milliarden Euro ein Forschungsreaktor zur Kernfusion entstehen. In München unterzeichneten Vertreter der bayerischen Staatsregierung, das Münchner Start-up Proxima Fusion, das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) und der Dax-Konzern RWE eine entsprechende Absichtserklärung.
Das Ziel ist klar definiert: Die Zusammenarbeit soll über den Demonstrationsreaktor "Alpha" bis hin zum ersten kommerziellen Magnetfusions-Kraftwerk am etwa 100 Kilometer entfernten Standort des ehemaligen Atomkraftwerkes Gundremmingen führen.
Finanzierung als Kraftakt
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte die Herausforderungen: "Die Finanzierung dazu wird ein wirklicher Kraftakt sein, das muss man sagen. Allein das Projekt 'Alpha' wird zwei Milliarden Euro kosten." Der Freistaat beteiligt sich mit 400 Millionen Euro, während mindestens weitere 400 Millionen Euro über Proxima Fusion durch private Investoren eingeworben werden sollen.
Söder hofft zudem auf eine Beteiligung des Bundes von "zwingend" mehr als einer Milliarde Euro für dieses "große nationale Projekt". Proxima-Fusion-Gründer Francesco Sciortino sieht in dem Vorhaben die Chance, "eine ganz neue Industrie zu bauen".
Kommerzieller Reaktor "Stellaris" in Gundremmingen
Parallel zum Projekt "Alpha" in Garching sollen in Gundremmingen die Vorbereitungen für den Bau des ersten kommerziell nutzbaren Fusionsreaktors "Stellaris" erfolgen. Dieser soll weitgehend identisch zu "Alpha" sein und mittels Magnetfusions-Technologie nutzbare Energie erzeugen.
Weltweit wird an der Kernfusion geforscht, doch bisher muss noch immer mehr Energie investiert werden, als am Ende gewonnen werden kann. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) erklärte, dass über die finale Finanzierungsdimension noch nicht gesprochen wurde. Die Technologie müsse letztlich zeigen, "dass man damit am Strommarkt Geld verdienen kann und das am besten in großer Dimension, in großer Skala".
Optimismus und Kritik
RWE-Vorstandschef Markus Krebber zeigte sich optimistisch: "Wenn der 'Alpha' funktioniert, dann erhärte sich nicht nur der Zeitplan immer mehr, dann werde auch genug privates Geld zur Verfügung stehen." Er bezeichnete die Kernfusion als "Gamechanger der Energieversorgung" und nannte den Zeitplan ambitioniert, aber machbar.
Für Söder und die Projektpartner bietet die Kernfusion grundlastfähigen, CO2-freien und sauberen Strom in unbegrenzter Menge, der den exponentiellen Stromhunger durch Elektromobilität, KI und Rechenzentren stillen könnte.
Doch nicht alle teilen diese Begeisterung. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace und die Grünen im Landtag kritisierten die Pläne scharf. Martin Stümpfig von den Grünen sagte: "Die Kernfusion ist aus unserer Sicht keine Lösung für die Energiewende" und bezeichnete die Investitionen als "Steuerverschwendung sondergleichen".
Der Physiker Heinz Smital von Greenpeace nannte die Pläne unseriös, da die Technik schlichtweg nicht existiere: "Es ist bereits heute absehbar, dass Markus Söder mit seinen Fusionsreaktor-Plänen eine Bruchlandung erleiden wird."
Fusionsenergie basiert auf dem Prozess der Verschmelzung von Atomkernen, wie er in der Sonne und anderen Sternen stattfindet. Seit den 1950er Jahren wird in der Wissenschaft über den Bau von Fusionskraftwerken diskutiert. Kritiker bemängeln, dass die enormen Investitionssummen andernorts für den Klimaschutz fehlen könnten.



