Berliner Stromausfall: Netzbetreiber schließt Anschlag aus - Fehler in Kabel vermutet
Berlin: Stromausfall - Kein Anschlag, Kabeldefekt vermutet

Erneuter Stromausfall in Berlin: Netzbetreiber sieht keine Anschlagsgefahr

Rund drei Monate nach dem massiven Blackout im Berliner Südwesten ist es in Teilen des damals betroffenen Gebiets erneut zu einem Stromausfall gekommen. In Nikolassee konnten die betroffenen Haushalte jedoch nach etwa eineinhalb Stunden wieder aufatmen. Laut Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin GmbH wurden alle 1.314 betroffenen Haushalte am Samstagabend um 23.35 Uhr wieder mit Strom versorgt. Weitere Störungen blieben in der Nacht aus.

Ursache: Defektes Mittelspannungskabel

Als Ursache für den erneuten Vorfall im Südwesten der Hauptstadt wird ein Fehler in einem Mittelspannungskabel vermutet. Henrik Beuster, Sprecher von Stromnetz Berlin, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass es keine Anzeichen für einen Anschlag gebe. Das Problem könne eine Alterserscheinung des Kabels sein oder auf eine frühere Beschädigung bei zurückliegenden Tiefbauarbeiten zurückzuführen sein. „So etwas passiert relativ oft, ohne dass es die Baufirmen bemerken“, so Beuster. Später könne beispielsweise durch eintretende Feuchtigkeit zu Problemen kommen.

Statistisch gesehen kommt es in Berlin jährlich zu 1.900 bis 2.000 vergleichbaren Vorfällen wie am Samstag. Der Strom fällt dabei im Durchschnitt acht Minuten aus, während der bundesweite Schnitt bei zwölf Minuten liegt. Diese Zahlen unterstreichen die Alltäglichkeit solcher technischen Störungen im Vergleich zu den spektakulären Anschlagsfällen der Vergangenheit.

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Polizei verstärkt Präsenz in betroffenem Gebiet

Während des Stromausfalls hatte die Polizei ihre Streifentätigkeit in Nikolassee deutlich intensiviert. „Unsere Einsatzkräfte sind dort nun verstärkter unterwegs, um ansprechbar zu sein und das Sicherheitsgefühl der Anwohnerinnen und Anwohner zu stärken“, teilte die Behörde auf der Plattform X mit. Bis zum Sonntag lagen der Polizei keine Hinweise vor, dass es im Zusammenhang mit dem Stromausfall zu Zwischenfällen gekommen ist. Diese Maßnahmen spiegeln die anhaltende Nervosität der Bevölkerung wider, die seit dem verheerenden Blackout im Januar besonders sensibel auf Stromausfälle reagiert.

Erinnerungen an den verheerenden Januar-Blackout

Anfang Januar war es im Südwesten Berlins nach einem mutmaßlich von Linksextremisten verübten Brandanschlag auf eine Kabelbrücke zum bislang längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte gekommen. Damals waren 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe teils tagelang ohne Strom und Heizung. Bei eisigen Temperaturen und Schnee flüchteten Tausende Berliner in Hotels. Der Senat kündigte an, die Kosten zu übernehmen, und bis Anfang April waren bereits etwa 700 Anträge auf Erstattung positiv beschieden oder ausgezahlt worden.

Politische Folgen und Ermittlungen

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner geriet wegen seiner Angaben zum ersten Krisentag in die Kritik. Der CDU-Politiker hatte zunächst verschwiegen, mittags für eine Stunde Tennis gespielt zu haben, und entschuldigte sich Ende März im Abgeordnetenhaus für Fehler in der Kommunikation. Um die Täter des Januar-Anschlags zu finden, wurde eine Millionen-Belohnung für Hinweise ausgelobt, die jedoch bislang nicht zur Aufklärung führte. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach von einer Vielzahl von Hinweisen und hoffte auf Informationen aus der linksextremistischen Szene.

Bereits im September 2025 hatte ein massiver Blackout im Bezirk Treptow-Köpenick rund 50.000 Privathaushalte und 2.000 Gewerbebetriebe betroffen. Ein nächtliches Feuer zerstörte Starkstromkabel, wobei ein Bekennerschreiben von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof sprach. Die Schäden werden auf 30 bis 70 Millionen Euro geschätzt. Ende März durchsuchten Polizisten bei einer großangelegten Razzia Wohnungen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Kyritz. Vier Beschuldigten wird verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen, Festnahmen gab es jedoch keine.

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