Berlins Schulen sind bei Temperaturen bis zu 40 Grad auf dicke Steinmauern, Nordlagen und eine funktionierende Nachtauskühlung angewiesen. Klimaanlagen werden bislang nicht einmal in den zahlreichen Schulneubauten installiert, die im Rahmen der Schulbauoffensive fertig werden. Ist Berlins Bildungsinfrastruktur auf immer heißer werdende Sommer vorbereitet?
Keine Klimaanlagen in Schulneubauten
Die Schulbauoffensive des Landes Berlin hat in den letzten Jahren zahlreiche Neubauten hervorgebracht. Doch selbst diese modernen Gebäude sind nicht mit Klimaanlagen ausgestattet. Stattdessen setzen die Planer auf passive Kühlmethoden. „Wir setzen auf Nachtauskühlung und Fenster in Nordlage“, erklärte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Diese Maßnahmen sollen helfen, die Hitze in den Klassenzimmern zu reduzieren. Allerdings stoßen sie bei extremen Temperaturen an ihre Grenzen.
Lehrerverband fordert Nachbesserungen
Der Berliner Lehrerverband kritisiert die Situation. „Bei 40 Grad im Klassenzimmer ist konzentriertes Arbeiten kaum noch möglich“, sagte der Vorsitzende. Er fordert, dass zumindest in besonders betroffenen Räumen mobile Klimageräte eingesetzt werden. Die Senatsverwaltung verweist jedoch auf die hohen Kosten und den Energieverbrauch solcher Geräte. Stattdessen sollen Schulen künftig mehr Grünflächen und Verschattungselemente erhalten.
Nachtauskühlung als zentrale Strategie
Die Nachtauskühlung ist eine bewährte Methode, um Gebäude ohne Klimaanlage kühl zu halten. Dabei werden in den kühleren Nachtstunden Fenster geöffnet, um die Wärme abzuführen. Tagsüber bleiben die Fenster geschlossen, um die Kühle zu bewahren. Diese Strategie funktioniert jedoch nur, wenn die Nächte ausreichend kühl sind. Bei tropischen Nächten mit Temperaturen über 20 Grad ist die Wirkung begrenzt.
Auswirkungen auf den Unterricht
Die Hitze beeinträchtigt nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern. Studien zeigen, dass die Konzentration bei hohen Temperaturen deutlich nachlässt. In Berlin mussten in den vergangenen Jahren immer wieder Hitzefrei gegeben werden, wenn die Temperaturen extreme Werte erreichten. Für die Zukunft fordern Experten daher eine grundsätzliche Überprüfung der baulichen Standards für Schulen.
Klimawandel verschärft Problem
Der Klimawandel führt dazu, dass Hitzewellen in Berlin häufiger und intensiver werden. Laut dem Deutschen Wetterdienst ist die Zahl der heißen Tage (über 30 Grad) in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Für die Schulen bedeutet das, dass die bestehenden Kühlstrategien immer öfter an ihre Grenzen stoßen. Die Senatsverwaltung arbeitet daher an einem Konzept, um die Schulen besser an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen.



