Die Erdbeersaison in Mecklenburg-Vorpommern ist vielerorts früher als erwartet zu Ende gegangen. Grund ist die Hitzewelle, die die späten Sorten schneller reifen ließ. Enno Glantz, einer der größten norddeutschen Anbauer mit 180 Hektar Fläche in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, berichtet: „Wir wollten bis August Erdbeeren verkaufen.“ Doch von seinen 240 Verkaufsständen habe er nur noch zehn Prozent geöffnet. Auch Robert Dahl, Inhaber von „Karls Erdbeerhof“ in Rövershagen bei Rostock, hat die Stände drastisch reduziert. „Die Haupterntezeit ist vorbei“, sagt er. Fast die Hälfte seiner 480 Stände in sechs Bundesländern wurden abgebaut.
Immertragende Sorten als Lösung
Ein Teil der Stände soll bis Ende Oktober bleiben – dank sogenannter remontierender, also immertragender Sorten, die von Mai bis Herbst Früchte liefern. Bisher haperte es jedoch am Geschmack. „Bei den Immertragenden gibt es eine Revolution“, erklärt Dahl. Neue Sorten aus Großbritannien und Deutschland schmeckten nun richtig gut. Dahl testet jährlich 40 neue Sorten mit Namen wie „Lady Emma“ oder „Lady Grace“. Um unbeeinflusst zu bleiben, erhalten sie Nummern. Die Tester waren so überzeugt, dass Dahl seine Flächen mit Remontierenden ausbauen will. Bereits nächstes Jahr soll die Zahl der Verkaufsstände länger hoch gehalten werden.
Folientunnel schützen vor Wetterextremen
Der geschützte Anbau in begehbaren Folientunneln wird immer wichtiger. „Am schlimmsten ist, wenn es erst heiß ist und dann Starkregen gibt. Dann bildet sich Fäulnis“, sagt Dahl. Im geschützten Anbau passiere das nicht. Aktuell stehen 30 Prozent seiner 310 Hektar unter Folie, nächstes Jahr sollen es 50 Prozent sein. Die Gesamtanbaufläche soll auf 340 Hektar wachsen. Bisher erntete Dahl rund 6.000 Tonnen, weitere 1.000 Tonnen sollen folgen. Glantz spricht von einer Durchschnittsernte 2026: „Es war eine schwierige Ernte durch die Wetterkapriolen.“ Erdbeeren lieben Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad und einen Sonne-Wolken-Mix.
Erntehelfer-Mangel treibt Robotik voran
Neben dem Wetter bereitet der steigende Mindestlohn Sorgen. „Ich denke, in zehn Jahren werden wir dort keine Erntehelfer mehr bekommen“, so Dahl mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Rumänien. Ernte-Roboter sollen helfen, doch die Ergebnisse sind noch nicht zufriedenstellend. „Da sind auch schon mal grüne Erdbeeren dabei“, bemängelt Dahl. Ein guter Pflücker schaffe 30 Kilogramm pro Stunde, der Roboter erst zehn.
In Mecklenburg-Vorpommern werden Erdbeeren auf knapp 730 Hektar angebaut. Die Preise lagen laut Obstbauberater Rolf Hornig etwa auf Vorjahresniveau, „vielleicht leicht darüber“. Steigende Lohn- und Lohnnebenkosten seien eine riesige Belastung. Hornig blickt bereits auf die Apfelernte: Nach einer kleinen Ernte im Vorjahr erwartet er dieses Jahr eine Normalernte von 24 bis 25 Tonnen.



