Ehemalige Führungskräfte deutscher Atomkraftwerke haben einen Brandbrief an die Bundesregierung gerichtet, in dem sie die Reaktivierung der Kernenergie fordern. In dem Schreiben, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt, argumentieren die Unterzeichner, dass eine Wiederinbetriebnahme stillgelegter Meiler technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll sei.
Technische Machbarkeit und Sicherheit
Die ehemaligen AKW-Bosse betonen, dass die stillgelegten Anlagen noch in einem guten Zustand seien und innerhalb weniger Jahre wieder ans Netz gehen könnten. Sie verweisen auf regelmäßige Wartungsarbeiten und Sicherheitsüberprüfungen, die auch nach der Abschaltung fortgeführt wurden. „Die Sicherheit der Anlagen steht außer Frage“, heißt es in dem Brief. „Eine Reaktivierung wäre mit vertretbarem Aufwand realisierbar.“
Konkret nennen die Unterzeichner die Kraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2, die Ende 2022 vom Netz gingen. Diese seien noch nicht zurückgebaut und könnten nach einer Überholung wieder hochgefahren werden. Die Kosten dafür beziffern sie auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag pro Anlage.
Wirtschaftliche Vorteile und Energieversorgung
Die ehemaligen Manager argumentieren, dass die Kernkraft einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Energieversorgung leisten könne. Angesichts der hohen Strompreise und der Abhängigkeit von fossilen Importen sei eine Rückkehr zur Atomkraft wirtschaftlich attraktiv. „Die Kernenergie könnte den Strompreis senken und die Versorgungssicherheit erhöhen“, schreiben sie.
Zudem verweisen sie auf die Klimaziele: Kernkraft sei CO2-arm und könne die Lücke schließen, die durch den Ausstieg aus der Kohle entstehe. „Ohne Kernkraft wird die Energiewende teurer und langsamer“, warnen die Unterzeichner.
Politische Reaktionen und Kontroversen
Der Brandbrief stößt auf geteilte Reaktionen. Während Unionspolitiker und Teile der FDP die Initiative begrüßen, lehnen Grüne und SPD eine Reaktivierung strikt ab. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) betonte zuletzt, der Atomausstieg sei beschlossene Sache und eine Rückkehr weder rechtlich noch praktisch sinnvoll.
Die ehemaligen AKW-Bosse fordern die Regierung auf, das Thema unvoreingenommen zu prüfen. „Wir appellieren an die Vernunft, ideologische Scheuklappen abzulegen und die Fakten sprechen zu lassen“, so das Schreiben. Ob die Regierung darauf eingehen wird, bleibt abzuwarten.



