Trumps vollmundige Ankündigung: Experten halten Ölpreis-Versprechen für unrealistisch
Die Ankündigung klang spektakulär: Während des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus versprach US-Präsident Donald Trump live im Fernsehen historisch niedrige Ölpreise. „Wenn wir mit dem Iran fertig sind, werden die Ölpreise auf ein Niveau sinken, auf dem sie vorher nie waren“, so der 79-jährige Präsident am vierten Tag des Iran-Krieges.
Realität sieht anders aus: Spritpreise erreichen Höchststände
Acht Tage später zeigt sich ein völlig anderes Bild: An deutschen Tankstellen klettern die Spritpreise auf neue Rekordwerte. Diesel und Super kosten teilweise bis zu 2,50 Euro pro Liter. Im Iran ist kein Ende der Kampfhandlungen absehbar, und Experten bezweifeln massiv Trumps optimistische Prognose.
Bild hat mit führenden Wirtschaftsforschern gesprochen – das Ergebnis ist eindeutig: Das Versprechen des US-Präsidenten erscheint aus wissenschaftlicher Perspektive völlig unrealistisch.
Marktanalyse: Überangebot vor dem Krieg, Unsicherheit danach
Bis zum Beginn der Luftangriffe herrschte auf dem Weltölmarkt im Jahr 2026 tatsächlich ein deutliches Überangebot. Marktbeobachter bezifferten den täglichen Überschuss auf drei bis vier Millionen Barrel.
Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln sieht für Trumps Ankündigung keinerlei Grundlage. „Es ist nicht schlüssig anzunehmen, dass der Ölpreis nach einem Ende der Kampfhandlungen – auch kurzfristig – auf ein besonders niedriges Niveau fallen werde“, heißt es in der Analyse.
Im Gegenteil: Selbst bei einem sofortigen Waffenstillstand wäre mit anhaltender Unsicherheit zu rechnen. Förderanlagen könnten beschädigt sein, und wichtige Transportwege wie die strategisch bedeutsame Straße von Hormus blieben riskant.
Kostenfaktor und Angebotsdynamik
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Produktionskosten: US-amerikanische Schieferöl-Produzenten benötigen etwa 70 US-Dollar pro Barrel, damit sich neue Bohrungen wirtschaftlich lohnen. Sinkt der Preis deutlich unter diese Schwelle, werden weniger neue Quellen erschlossen. Die Folge wäre ein reduziertes Angebot, was wiederum stabilisierend oder sogar preistreibend wirken würde.
Thomas Puls, Senior Economist beim IW Köln, erklärt: „Wir kommen aus einer Phase des Überangebots auf dem Weltmarkt. Auch bei einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen ist erst mal von höheren Preisen auszugehen, da das Angebot vermutlich nicht sofort wieder auf dem vorherigen Niveau ankommen würde.“
DIW-Expertin widerspricht energisch
Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung positioniert sich klar gegen Trumps Prognose. Energieökonomin Claudia Kemfert urteilt: „Das Versprechen von US-Präsident Trump zum Ölpreis ist aus energieökonomischer Sicht wenig realistisch.“
Konflikte im Nahen Osten trieben traditionell die Preise in die Höhe und erhöhten die Unsicherheiten am Markt. Kemfert ergänzt: „Die Vorstellung, ein Krieg im Nahen Osten würde Öl dauerhaft historisch billig machen, ist wenig plausibel.“
Fazit: Spektakuläre Ankündigung, aber wissenschaftlich nicht haltbar
Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Während Trumps Versprechen medienwirksam und spektakulär klang, bewerten führende deutsche Wirtschaftsexperten die Aussage als wissenschaftlich nicht fundiert. Die komplexen Marktmechanismen, Produktionskosten und geopolitischen Unsicherheiten sprechen gegen die Prognose historisch niedriger Ölpreise.
Die aktuelle Entwicklung an den Tankstellen unterstreicht diese Einschätzung: Statt der versprochenen Preissenkungen erleben Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit Rekordpreise für Kraftstoffe.



