G7-Staaten erwägen Freigabe von Ölreserven gegen rasant steigende Preise
G7 erwägt Ölreserven-Freigabe gegen Preisexplosion

G7-Staaten prüfen Einsatz strategischer Ölreserven gegen Preisexplosion

Die rapide steigenden Ölpreise entwickeln sich zu einer handfesten Bedrohung für die Weltkonjunktur. Als mögliches Gegenmittel diskutieren die führenden Industriestaaten nun die Freigabe ihrer strategischen Ölreserven. Die G7-Staaten sondieren bereits intensiv die verschiedenen Möglichkeiten, wie aus Kreisen der Financial Times verlautet.

Koordinierte Aktion unter Führung der Internationalen Energieagentur

Die Finanzminister der G7-Staaten wollen im Verlauf dieses Tages über eine mögliche Freigabe von Erdölreserven unter der Koordination der Internationalen Energieagentur (IEA) beraten. Drei G7-Staaten, darunter die Vereinigten Staaten von Amerika, haben bereits ihre Unterstützung für diesen Vorschlag zugesagt. Die Mitgliedstaaten der IEA, einem Interessenverband von Industriestaaten, halten strategische Reserven als Teil eines gemeinsamen Notfallsystems für Ölpreiskrisen bereit.

Aus dem Bericht der Financial Times geht weiter hervor, dass die USA eine gemeinsame Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel für angemessen halten. Diese Menge würde etwa 25 bis 30 Prozent der insgesamt 1,2 Milliarden Barrel umfassenden strategischen Reserve bedeuten und könnte somit spürbaren Einfluss auf den Markt nehmen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hintergrund: Irankrieg treibt Ölpreise in ungeahnte Höhen

Hintergrund der Überlegungen ist der fortgesetzte Höhenflug der Ölpreise, die inzwischen die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar pro Barrel deutlich übersprungen haben. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Zwar konnte dieses extreme Niveau nicht ganz gehalten werden, doch lag der Preis im Vormittagshandel mit 107 Dollar immer noch beachtliche 15 Prozent höher als am vergangenen Freitag.

Damit kletterte der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Beginn des Irankriegs vor etwas mehr als einer Woche summiert sich das Plus auf fast 50 Prozent – eine beispiellose Entwicklung, die die globalen Energiemärkte nachhaltig erschüttert.

Transportwege blockiert – Risiken nehmen weiter zu

Die globalen Energiemärkte sind durch den Krieg im Nahen Osten massiv beeinträchtigt. Der Transport von Energierohstoffen aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die strategisch wichtige Straße von Hormus ist durch die kriegerischen Auseinandersetzungen faktisch zum Erliegen gekommen. Die Angst vor einer längerfristigen Sperrung dieser lebenswichtigen Schifffahrtsstraße bleibt ein bestimmendes Thema an den internationalen Rohstoffbörsen.

Am vergangenen Wochenende hat Israel zudem Öllager in der iranischen Hauptstadt Teheran angegriffen, was die ohnehin angespannte Lage zusätzlich verschärft. Anzeichen für ein schnelles Ende des Krieges sind derzeit nicht zu erkennen. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der von Iran eine bedingungslose Kapitulation gefordert hatte, und der Ernennung des Hardliners Mojtaba Khamenei als neuen iranischen Führer nähmen die Risiken für ein längeres Andauern des Konflikts weiter zu, wie eine aktuelle Analyse der DekaBank feststellt.

Politische Dimension: Trump zwischen Ölpreis und Wahlen

Für US-Präsident Donald Trump könnten die steigenden Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zu einem ernsthaften politischen Problem werden. In einer Stellungnahme auf seiner Plattform Truth Social versuchte Trump daher, den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: "Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt", schrieb der amerikanische Präsident.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Experten warnen indes vor den wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Entwicklung. Der rasant steigende Ölpreis hat das Potenzial, die weltweite Inflation wieder anzuheizen und die gerade beginnende wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie zu gefährden. Die geplante Freigabe der strategischen Reserven könnte daher nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politisch hoch sensible Maßnahme darstellen, deren Auswirkungen genau abgewogen werden müssen.