Staatliche Gasreserve: Milliardenkosten auf Verbraucher umgelegt
Gasreserve: Milliardenkosten auf Verbraucher umgelegt

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Ministerin Katherina Reiche (CDU) treibt die Pläne für eine staatliche Erdgasreserve voran. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag von einem Insider erfuhr, sollen die Kosten in Milliardenhöhe über eine Umlage auf die Gasverbraucher finanziert werden. Ein Kabinettsbeschluss wird für Mitte August angestrebt.

Reserve als Schutz vor Sabotage und globalen Mangellagen

Die Reserve sei ausdrücklich nicht für die saisonale Winterversorgung gedacht, betonte der Insider. Diese Aufgabe bleibe weiterhin bei Händlern, Lieferanten und Versorgern. Der Staat wolle jedoch für Extremfälle vorsorgen, etwa bei Sabotage an der Infrastruktur oder einer globalen Gasmangellage. Das Konzept des Ministeriums sieht eine Reserve von rund 24 Terawattstunden Gas vor, was knapp zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität entspricht.

Kosten von bis zu 1,7 Milliarden Euro

Die geschätzten Kosten für Aufbau, Gaseinkauf und Einspeicherung belaufen sich auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro, verteilt auf die Jahre 2027 und 2028. Hinzu kommen laufende Kosten von 150 bis 180 Millionen Euro jährlich für Speicherkapazitäten, Transport und Verwaltung. Insgesamt summiert sich die Belastung auf bis zu 1,7 Milliarden Euro, die über eine Umlage auf die Gasverbraucher umgelegt werden sollen.

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Erweiterung des Instrumentariums der Bundesnetzagentur

Wirtschaftsministerin Reiche hatte die Gasreserve in der Vergangenheit als Notfallinstrument bezeichnet. Mit der Reserve solle das Instrumentarium der Bundesnetzagentur erweitert werden, die in einer Gasmangellage für Eingriffe zuständig ist. Die Reserve soll helfen, Versorgungsengpässe zu vermeiden oder hinauszuzögern, Abschaltungen einzelner Industriekunden möglichst zu verhindern und Zeit für Reparaturen oder alternative Importe zu gewinnen.

Absicherung für Ausfall größter Importinfrastruktur

Die Reserve soll einen 30-tägigen Ausfall der größten Importinfrastruktur abdecken, konkret des Anlandepunktes Dornum in Niedersachsen, über den ein großer Teil der norwegischen Pipeline-Lieferungen in Deutschland ankommt. Mit 24 Terawattstunden ließen sich nach internen Berechnungen auch rund 40 Tage Ausfall von LNG-Importen oder zehn Tage Vollversorgung von Haushalten und Gewerbe in einem Extremwinter bei Ausfall sämtlicher Pipeline- und LNG-Importe abdecken. In einem Normalwinter wären es 18 Tage.

Grüne begrüßen Vorstoß, kritisieren aber Zeitplan

Die Grünen begrüßten den Vorstoß grundsätzlich. „Es ist richtig, eine Gasreserve einzuführen“, sagte der energiepolitische Sprecher Michael Kellner der Agentur Reuters. „Die angedachte Befüllung im nächsten Jahr kommt allerdings für diesen Winter zu spät. Hier droht erneut eine Zitterpartie.“

Zeitplan und Inkrafttreten

Der internen Zeitplanung zufolge könnte der Bundestag erstmals Ende September über das Vorhaben beraten. Die Regelung könnte demnach zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

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