Heizungsförderung: Reformpläne bis 2029 und neue Ideen der Politik
Heizungsförderung: Reformpläne bis 2029 und neue Ideen

Die Bundesregierung arbeitet an einer grundlegenden Reform der Heizungsförderung. Die Haushaltsmittel für die „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) sollen mindestens bis 2029 zur Verfügung stehen. Viele Details sind jedoch noch unklar, und es gibt zahlreiche neue Vorschläge aus Politik und Wirtschaft.

Hintergrund: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)

Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) durchläuft derzeit das parlamentarische Verfahren und wird voraussichtlich bald verabschiedet. Wie die eng damit verbundene BEG an das GModG angepasst wird, ist bisher nicht klar – für viele Hauseigentümer ist dies jedoch von entscheidender Bedeutung. Im BEG sind die Zuschüsse für den Heizungstausch geregelt, die sich für ein Einfamilienhaus auf bis zu 21.000 Euro belaufen können. Es bleibt abzuwarten, ob diese Förderhöhe bestehen bleibt oder sich die Bedingungen ändern.

Ministerium zurückhaltend – Eckpunkte der Koalition

Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) gibt sich mit Blick auf die künftigen Regelungen noch verschlossen. Auf Nachfrage teilte das Ministerium mit, die Förderung werde „weiterhin zuverlässig mit Mitteln des Bundes ausgestattet sein“. Zu weiteren Details der Fortsetzung unter dem GModG könne man keine Angaben machen, auch nicht zum Zeitplan. Das Ministerium verweist auf die Eckpunkte der Regierungsfraktionen zum GModG von Ende Februar. Dort heißt es, eine „auskömmliche Finanzierung“ der BEG werde „bis mindestens 2029 sichergestellt“.

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Union schlägt steuerliche Förderung vor

Nach Überzeugung von Unionspolitikern sollte es künftig in bestimmten Fällen eine Alternative zu den bislang gezahlten festen Zuschüssen für den Heizungstausch geben. „Aus meiner Sicht könnte man bei höheren Einkommen auch auf eine steuerliche Förderung umstellen“, sagte Andreas Lenz (CSU), wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der Unionsfraktion, dem Handelsblatt. „Wichtig ist Verlässlichkeit, damit Investitionen stattfinden“, ergänzte er.

Branche fordert Kontinuität und warnt vor Brüchen

Auch der Branche ist an Kontinuität gelegen. „Entscheidend ist eine zügige und klare Umsetzung, da alles andere erneut Unruhe in einen Markt tragen würde, der sich aktuell erst von einem 15-Jahres-Tief erholt“, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Die bestehende Förderung sei erfolgreich und funktioniere derzeit zufriedenstellend. Aus Sicht von BDH-Geschäftsführer Markus Staudt wäre es sinnvoll, das GModG nach Verabschiedung „erst einmal im Markt ankommen zu lassen und die aktuelle Förderung so, wie sie ist, bis Jahresende weiterlaufen zu lassen“. Anpassungen müssten so kommuniziert werden, dass es nicht zu einer Antragswelle komme. Der BDH plädiert daher für einen „Übergang in ein angepasstes Fördersystem möglichst ohne disruptive Brüche“, etwa im Rahmen eines Wechsels zum Beginn eines neuen Kalenderjahres.

Zuständige Stellen: KfW und Bafa

Zuständig für die Mittelvergabe aus der BEG sind die staatliche Förderbank KfW und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Seit 2024 läuft die Heizungsförderung für selbstnutzende Eigentümer über die KfW. Das Bafa dagegen zahlt beispielsweise Zuschüsse zur Dämmung, zum Fenstertausch oder zur Heizungsoptimierung.

Aktuelle Förderhöhen und Boni

Aktuell zahlt die KfW für den Kauf und Einbau einer klimafreundlichen Heizung einen Zuschuss von 30 bis 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Bei einem Einfamilienhaus berücksichtigt die KfW Kosten bis zu einer Höhe von 30.000 Euro. Wer Anspruch auf die volle Förderung hat, kann also einen Zuschuss von bis zu 21.000 Euro erhalten. Der Zuschuss setzt sich zusammen aus einer „Grundförderung“ von 30 Prozent und einem „Klimageschwindigkeitsbonus“ von 20 Prozent. Wer ein Haushaltsjahreseinkommen von maximal 40.000 Euro hat, kann außerdem noch einen „Einkommensbonus“ von 30 Prozent erhalten. Für Wärmepumpen gibt es zusätzlich einen „Effizienzbonus“ von fünf Prozent.

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Kritik an der Einkommensstaffelung

Brigitte Knopf, Gründerin des Instituts Zukunft Klima Sozial, spricht sich für eine stärkere Einkommensstaffelung der Förderung aus. Damit würde auch einkommensschwachen Haushalten der Umstieg auf fossilfreie Technologien ermöglicht, sagte sie dem Handelsblatt. Trotz des Einkommensbonus beim Heizungstausch entfällt laut Knopf nach wie vor nur rund ein Viertel der Förderfälle auf Haushalte mit einem Einkommen unterhalb des Medians. „Wichtig wäre daher, dass das Problem der Vorfinanzierung angegangen wird, denn gerade ärmere Haushalte können das nicht vorab finanzieren und bekommen oft keine Kredite“, sagte sie. Jenseits der Finanzierung braucht es laut Knopf für die praktische Umsetzung auch niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote wie Sanierungslotsen.

Forderungen des Wärmepumpenverbandes

Der Wärmepumpenverband (BWP) fordert die Bundesregierung dazu auf, die derzeitige Förderkulisse stabil zu halten, schlägt aber vor, den Klimageschwindigkeitsbonus auch für Mietwohnungen zu erweitern. Derzeit ist dieser nur für selbstnutzendes Eigentum verfügbar. Der Klimageschwindigkeitsbonus wird gewährt, wenn eine funktionstüchtige Heizung ausgetauscht wird. Er soll schnellen Heizungstausch belohnen, wenn also Eigentümer nicht bis zum „letzten Moment“ warten, sondern eine funktionierende alte Heizung frühzeitig durch eine klimafreundliche Heizung ersetzen. Das Förderprogramm sei nicht nur gut für den Klimaschutz und für die Energieunabhängigkeit, sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel. Es sei auch ein Konjunkturprogramm und bringe dem Staat über Steuereinnahmen zudem wieder Geld zurück. „Wer seine Heizung tauscht, der nimmt das oft auch zum Anlass, das gesamte Gebäude zu modernisieren.“ Auch das komme der Konjunktur zugute.

Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen

Richard Lucht vom Heizungsinstallateur Thermondo verweist darauf, dass sich mit der jetzigen Förderung eine Wärmepumpe im Vergleich zu einer Gasheizung nach rund 4,5 Jahren rechne. Zentraler Grund sind neben der Förderung die geringeren Betriebskosten: Wärmepumpen arbeiten effizienter als Gasheizungen. Wenn sich eine Wärmepumpe erst nach acht Jahren rechne, würden viele Menschen vor der Investition zurückschrecken, unabhängig vom Einkommen. Der Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron warnt ausdrücklich davor, einen oberen Einkommensdeckel einzuführen, weil dies gezielt denjenigen Haushalten schade, die Heizungen vor ihrem natürlichen Lebensende tauschen würden.