Kanzler Merz setzt auf Vollgas bei der Rentenreform
Friedrich Merz will die Rentenreform zum Wendepunkt seiner Kanzlerschaft machen und geht dabei aufs Ganze. Mit dem Motto „Wir machen das jetzt“ kündigte er an, sämtliche 33 Vorschläge der Expertenkommission umzusetzen, die ihm gestern überreicht wurden. Beim Tag der Industrie erntete er dafür erstmals seit Monaten wieder warmen Applaus aus der Wirtschaft.
Kapitalrente als zentrales Element
Merz lobte die Vorschläge gemeinsam mit Arbeitsministerin Bärbel Bas als „Gesamtkunstwerk“ und pries die geplante Kapitalrente, die jährlich 30 Milliarden Euro zusätzlich in den Finanzmarkt bringen soll. In Anlehnung an Ludwig Erhard kündigte er überraschend wagemutig an, man müsse nun an einem „Wohlstand für die Jugend“ arbeiten. Damit deutete er an, dass auf die große Rentenreform weitere Reformen folgen müssten.
Widerstand von Gewerkschaften und SPD
Der DGB lehnt die Vermischung von gesetzlicher Rente und Kapitaldeckung jedoch entschieden ab. Auch das Aus für die Rente mit 63 stößt auf Ablehnung. Der Gewerkschaftsbund will am Wochenende ein eigenes Konzept vorlegen. Zudem eröffnete SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Reigen der Bremser und stellte sich gegen die Pläne des Kanzlers.
Damit steht die Rentenreform vor einer ungewissen Zukunft. Merz muss nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gewerkschaften und die SPD von seinem Vorhaben überzeugen. Die Kapitalrente könnte jedoch einen grundlegenden Wandel im deutschen Rentensystem einleiten, der weit über die aktuelle Legislaturperiode hinaus wirkt.



