Die anhaltende Hitzewelle in Deutschland verursacht schwere Schäden an der Infrastruktur. Seit Donnerstag ist die Autobahn A2 wegen Hitzeschäden auf zwei Abschnitten gesperrt: in Brandenburg zwischen Ziesar und Wollin in Richtung Berlin sowie in Sachsen-Anhalt bei Burg in Richtung Hannover. Grund sind sogenannte Blow-ups, bei denen sich die Fahrbahndecke wölbt und im schlimmsten Fall aufplatzt. Dies stellt eine erhebliche Gefahr dar, da Auto- oder Motorradfahrer bei hohem Tempo die Kontrolle verlieren können.
Ursachen und Anfälligkeit verschiedener Fahrbahndecken
Markus Oeser, Präsident der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), erklärt: „Vor allem ältere Fahrbahndecken aus Beton, die nicht so verformbar sind wie Asphalt und bereits Vorschäden haben, sind bei großer Hitze anfälliger.“ Allerdings gebe es davon nicht mehr viele. Der Großteil der Autobahnen und Bundesstraßen besteht aus Asphalt. Ältere Betonabschnitte werden stark überwacht: „Da helfen Sensoren, und bei längeren Hitzeperioden fahren die Autobahnmeistereien mit Messfahrzeugen raus. Tauchen Schäden auf, werden schnell Gegenmaßnahmen ergriffen“, so Oeser.
Probleme bei Asphalt: Spurrinnen und Rezeptur
Auch Asphaltstraßen sind nicht immun gegen Hitze. Oeser warnt: „In Asphaltstraßen können sich bei extremer Hitze gefährliche Spurrinnen bilden, die bei starkem Regen besonders tückisch werden.“ Die Verformung hängt von der Rezeptur ab. Es gibt Asphaltdecken, die bis zu 60 Grad Celsius aushalten, weil sie besonders hart sind. Doch diese vertragen keine kalten Winter – der harte Asphalt bekommt Risse, da er sich nicht zusammenziehen kann. Daher sei ein Kompromiss bei der Zusammensetzung nötig. Zudem wird an helleren Straßen geforscht, die Sonnenlicht besser reflektieren, ohne zu blenden.
Innovationen: „Klimaphalt“ als Lösung?
Lutz Weiler, Geschäftsführer der Offenbacher Asphaltbau und Mischwerke, hat „Klimaphalt“ entwickelt. Der Belag hat eine helle Oberfläche und kann Wasser in seinen Hohlräumen speichern. „Klimaphalt kann bis zu 100 Liter Regenwasser pro Quadratmeter aufnehmen und teilweise speichern, also auch einen Starkregen abpuffern“, sagt Weiler. Dies erzeuge Verdunstungskälte und wirke wie eine natürliche Klimaanlage, entlaste die Kanalisation und beuge Hochwasser vor. Für Autobahnen ist der Belag nicht geeignet, wohl aber für Standstreifen und innerstädtische Straßen. In einem Offenbacher Wohngebiet wird er seit 2020 getestet.
Anpassung der Infrastruktur an den Klimawandel
Die BASt untersucht bundesweit, wo Wasser besonders unberechenbar werden kann. An diesen Stellen werden Entwässerungsrohre größer ausgelegt und Brückenfundamente neu gestaltet. Brücken sollten Flüsse komplett überspannen, anstatt auf Pfeilern im Fluss zu ruhen, da Pfeiler die Strömung stören und die Fließgeschwindigkeit erhöhen. Oeser betont: „Wir müssen die Infrastruktur resilient machen für den Klimawandel und sind da auf einem guten Weg. Wie viel wir investieren müssen, lässt sich noch nicht beziffern.“ Nichts zu tun käme die Wirtschaft teuer zu stehen.



