Die anhaltende Hitzewelle in Deutschland setzt nicht nur Menschen zu, sondern belastet auch die Infrastruktur massiv. Autobahnen platzen auf, Gleise verformen sich und die Stromnetze geraten zunehmend unter Druck. Besonders betroffen ist derzeit die Autobahn A2 in Brandenburg, wo der Abschnitt zwischen Ziesar und Wollin in Fahrtrichtung Berlin vollständig gesperrt werden musste.
Autobahn A2: Komplette Sperrung wegen Hitzeschäden
Nach Angaben der Autobahn GmbH sind sämtliche Fahrstreifen auf der A2 beschädigt. Die Betondecke soll nun kurzfristig durch Asphalt ersetzt werden. Mit einer Freigabe wird nach aktuellem Stand erst am Sonntagnachmittag gerechnet. Auch auf dem Berliner Ring, der A10, gibt es Einschränkungen: Zwischen Berlin-Marzahn und Hellersdorf in Richtung Frankfurt (Oder) wurde die linke Spur wegen Hitzeschäden gesperrt.
Warum Hitze Autobahnen aufplatzen lässt
Vor allem ältere Autobahnen mit Betonfahrbahnen reagieren empfindlich auf extreme Temperaturen. Dehnen sich die Betonplatten durch die Hitze stark aus, können sie sich gegeneinander drücken. Im schlimmsten Fall brechen sie schlagartig nach oben auf – Experten sprechen von sogenannten „Blow-ups“. Innerhalb weniger Sekunden entstehen dabei gefährliche Bodenwellen oder regelrechte Rampen. Deshalb ordnen Behörden bei großer Hitze häufig Tempolimits an oder sperren besonders gefährdete Abschnitte vorsorglich.
Gleise verformen sich bei über 50 Grad
Nicht nur Straßen leiden unter der Hitze. Auch Gleise dehnen sich bei starker Sonneneinstrahlung aus. Erreichen die Schienen Temperaturen von deutlich über 50 Grad, können sie sich seitlich verformen. Um Entgleisungen zu verhindern, müssen Züge dann langsamer fahren oder Strecken zeitweise gesperrt werden. Wie gravierend die Auswirkungen sein können, zeigt ein Beispiel aus Essen. Dort mussten mehrere Straßenbahnlinien ihren Betrieb auf einem Abschnitt einstellen, nachdem sich durch die Hitze Gleise verformt hatten. Das berichten mehrere lokale Medien. Nach Angaben der Ruhrbahn war der Schaden so groß, dass der betroffene Gleisabschnitt vollständig erneuert werden muss.
Stromnetze und Kraftwerke unter Druck
Millionen Klimaanlagen, Ventilatoren und Kühlgeräte laufen gleichzeitig auf Hochtouren und belasten die Stromnetze. Gleichzeitig verlieren Freileitungen bei großer Hitze an Leistungsfähigkeit, weil sie sich ausdehnen und stärker durchhängen. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele Flüsse führen in Hitzeperioden deutlich weniger Wasser. Das erschwert nicht nur die Schifffahrt, sondern belastet auch Kraftwerke, die Flusswasser zur Kühlung benötigen. Zusätzlich steigt in solchen Phasen der Kühlbedarf von Rechenzentren, Serveranlagen und anderen technischen Einrichtungen erheblich. Wird das Wasser zu warm oder steht nicht mehr ausreichend zur Verfügung, müssen einzelne Anlagen ihre Leistung reduzieren – ausgerechnet dann, wenn besonders viel Strom gebraucht wird.
Mehrtägige Hitzewellen verschärfen die Lage
Besonders kritisch wird die Situation, wenn hohe Temperaturen über mehrere Tage anhalten und es nachts kaum noch abkühlt. Straßen, Brücken, Gleise und Gebäude können dann die gespeicherte Wärme nicht mehr abgeben und heizen sich Tag für Tag weiter auf. Dies führt zu einer zunehmenden Belastung der Infrastruktur, die für solche Extremwetterereignisse nicht ausgelegt ist. Die Deutsche Bahn bietet inzwischen Hitze-Stornierungen an und warnt vor Einschränkungen im Zugverkehr.



