Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung hat am Freitag die Anmeldedaten der Siebtklässler für das Schuljahr 2026 veröffentlicht. Die Zahlen umfassen alle rund 235 öffentlichen Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen und Gymnasien in den zwölf Bezirken der Hauptstadt. Erneut zeigt sich eine große Diskrepanz zwischen den begehrtesten und den unbeliebtesten Schulen.
Spitzenreiter und Nachzügler
Zu den gefragtesten Schulen zählen erneut die Gymnasien in zentralen Bezirken wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg-Wilmersdorf. Spitzenreiter ist das Humboldt-Gymnasium in Tegel mit einem Anmeldeüberhang von über 200 Prozent. Auch das Canisius-Kolleg in Tiergarten und das Französische Gymnasium in Mitte verzeichnen deutlich mehr Anmeldungen als Plätze.
Auf der anderen Seite stehen Schulen in Randbezirken wie Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Neukölln, die teilweise nicht einmal die Hälfte ihrer Plätze besetzen konnten. Besonders betroffen sind Integrierte Sekundarschulen, die oft als „Restschulen“ gelten. Die Senatorin für Bildung, Katharina Günther-Wünsch (CDU), betonte: „Wir haben zahlreiche zusätzliche Klassen eröffnet, um die Platznot zu lindern. Dennoch bleibt die Herausforderung, alle Schülerinnen und Schüler wunschgemäß zu verteilen.“
Maßnahmen gegen die Platznot
Um dem Ansturm auf die beliebten Schulen zu begegnen, wurden in diesem Jahr 15 zusätzliche Klassen an Gymnasien und 20 an Sekundarschulen eingerichtet. Insgesamt stehen rund 35.000 Plätze für die rund 32.000 Anmeldungen zur Verfügung, was theoretisch eine Vollversorgung bedeutet. Doch die Schieflage bleibt: Während an manchen Schulen bis zu drei Bewerber auf einen Platz kommen, bleiben andere mit freien Kapazitäten.
Die Senatsverwaltung plant daher, das Anmeldeverfahren zu reformieren. Ein Vorschlag sieht vor, die Schulen stärker zu verpflichten, Schüler aus dem eigenen Einzugsgebiet aufzunehmen. Kritiker warnen jedoch vor einer „Ghettoisierung“ der Schulen. Der Elternbeirat Berlin forderte in einer Stellungnahme: „Die Qualität aller Schulen muss gesteigert werden, nicht nur die der beliebten.“
Bezirksweise Unterschiede
Die Unterschiede zwischen den Bezirken sind eklatant. In Pankow, Lichtenberg und Treptow-Köpenick liegen die Anmeldezahlen für Gymnasien im Schnitt 30 Prozent über dem Angebot. In Neukölln und Marzahn-Hellersdorf hingegen bleiben bis zu 40 Prozent der Plätze unbesetzt. Dies führt zu langen Fahrzeiten für viele Schüler, die in andere Bezirke pendeln müssen.
Ein weiterer Trend: Immer mehr Eltern melden ihre Kinder an privaten Schulen an, um der Konkurrenz zu entgehen. Die Zahl der Privatschulanmeldungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent. Die Senatorin zeigte sich besorgt: „Wir müssen das Vertrauen in die öffentlichen Schulen zurückgewinnen.“
Ausblick
Die endgültige Platzvergabe erfolgt im März. Bis dahin können Eltern noch Widerspruch einlegen. Die Senatsverwaltung verspricht, alle Beschwerden zeitnah zu bearbeiten. Für das kommende Schuljahr sind weitere Kapazitätsausweitungen geplant, insbesondere in den wachsenden Bezirken.



