KKW Stendal: Die teuerste Bauruine der DDR und ihr gescheiterter Traum vom Atomstrom
KKW Stendal: Die teuerste Bauruine der DDR (15.03.2026)

KKW Stendal: Die teuerste Bauruine der DDR und ihr gescheiterter Traum vom Atomstrom

Am 11. März 2026 jährt sich die Reaktorkatastrophe von Fukushima zum fünfzehnten Mal – ein weltweites Symbol für die Risiken der Atomenergie. Nur wenige Menschen wissen jedoch, dass Deutschlands teuerste Atomruine über 8.000 Kilometer entfernt in der Altmark liegt: das nie fertiggestellte Kernkraftwerk Stendal bei Arneburg.

Ein Prestigeprojekt der DDR mit gigantischen Ambitionen

In den 1970er-Jahren als Prestigeprojekt der DDR gestartet, sollte die Anlage mit vier Reaktoren zu je 1.000 Megawatt das größte Kernkraftwerk des Landes werden – und gleichzeitig das modernste im gesamten sozialistischen Lager. Der Plan versprach sichere Energie für Millionen von Menschen, errichtet in Niedergörne, einem Dorf, das dem vermeintlichen Fortschritt weichen musste.

Die Bauarbeiten begannen bereits 1974, die offizielle Grundsteinlegung erfolgte 1981. Für die zahlreichen Baustellenarbeiter und Ingenieure wurden ganze Wohnviertel in Stendal, Osterburg und Arneburg errichtet. Auf der gigantischen Baustelle am Elbufer arbeiteten zeitweise über 7.000 Menschen aus der DDR und dem Ausland.

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Der teure Traum vom Atomstrom und sein jähes Ende

Doch der Traum von der friedlichen Nutzung der Kernenergie erwies sich als extrem kostspielig. Bereits Ende der 1980er-Jahre stiegen die geschätzten Kosten auf bis zu 20 Milliarden Mark. Nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 wuchs die Skepsis in der Bevölkerung – und mit ihr der politische Druck auf das Projekt, dessen Fertigstellung sich immer weiter verzögerte.

Chefingenieur Harald Gatzke, ein erfahrener Kraftwerksbauer, kam im Frühjahr 1990 nach Stendal, überzeugt davon, den ersten Block bald ans Netz bringen zu können. Tatsächlich war dieser zu etwa 90 Prozent fertiggestellt. Doch dann kam die Deutsche Einheit – und mit ihr das unerwartete Aus für das Mammutprojekt.

Die Folgen der Wende und der endgültige Baustopp

Mit der Währungsunion fehlten plötzlich die Milliarden aus dem DDR-Staatshaushalt, und westdeutsche Energiekonzerne zeigten kein Interesse an einer Übernahme. Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) sah keine Zukunft für sowjetische Reaktoren im wiedervereinten Deutschland. Im März 1991 wurde der Bau endgültig gestoppt.

Aus dem einstigen Prestigeprojekt wurde ein Symbol des Zerfalls: verlassene Reaktorgebäude, halbfertige Maschinenhallen, rostige Schienen – eine regelrechte Geisterstadt der Energiepolitik. Noch Mitte 1990 arbeiteten dort über 7.500 Menschen, kurz darauf waren alle entlassen.

Die Sprengung der Türme und der Strukturwandel

Die markanten Kühltürme, einst Wahrzeichen des Fortschritts, wurden 1994 und 1999 gesprengt. Die Ruine verschwand schrittweise von der Landkarte – übrig blieb ein gigantisches Loch im Haushalt und im kollektiven Gedächtnis der Region.

Mit Hilfe der Treuhandanstalt entstand in den 1990er-Jahren der Industrie- und Gewerbepark Altmark. Wo einst Reaktoren geplant waren, produzieren heute Zellstoff- und Papierfabriken klimafreundliche Produkte. Die Zellstoff Stendal GmbH nahm 2004 ihren Betrieb auf und speist inzwischen erneuerbare Energie ins Stromnetz ein.

So wurde aus dem teuersten Atomprojekt der DDR ein Schauplatz des Strukturwandels. Die Pläne für ein neues Kohlekraftwerk wurden längst beerdigt – stattdessen gewinnt die Region heute Strom aus Biomasse. Ein stiller, aber bedeutender Bruch mit ihrer eigenen energiepolitischen Vergangenheit.

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